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Bloc Party: Indie geht auch ohne Hype

Weniger Gewese, mehr Musik

Vor gut zehn Jahren waren Bloc Party einer jener Indie-Rock-Bands, die in Grund und Boden gehypet wurden. Glücklicherweise ist die große Aufregung um die Engländer verflogen, endlich steht wieder das im Vordergrund, was zählt: die großartige Musik.

Ach, das waren goldene Zeiten für Indie-Rock-Fans: Die ersten Jahre des neuen Jahrtausends spülten eine fantastische Band nach der anderen ins Fernsehen, auf die Festivals und in die Herzen. Franz Ferdinand, die Killers… und Bloc Party. Oh ja, vor allem Bloc Party! 2004 und 2005 landeten sie mit „Banquet“ und „Helicopter“ mal locker zwei der größten, ikonischsten und erfolgreichsten Indie-Hymnen des Jahrzehnts, wurden für ihr Debüt „Silent Alarm“ mit Preisen, Fans und Anerkennung überschüttet. Sie blickten uns vom Cover der wichtigsten Magazine entgegen, spielten die größten Festivals.

Das Ende nach dem Höhenflug

Und dann, im Juli 2009, die Hiobsbotschaft: Nach drei Alben, die auf der ganzen Welt Edelmetall erhielten und knapp ein Dutzend Hit-Singles hervorbrachten, verkündete der stille und in sich gekehrte Frontmann Kele Okereke eine Pause. Auf unbestimmte Zeit. Man wollte sich nicht die Leidenschaft für die Musik kaputt machen lassen, indem man zu einer Maschine mutiert, die Alben am Fließband ausspuckt und nonstop auf Tour ist. Bäm, das saß. Eine mutige, lobenswerte und wichtige Entscheidung, keine Frage. Aber eben nicht unbedingt das, was man als Fan hören wollte.

Solo-Schritte und schwierige Verhältnisse

Kele verwirklichte seine lang gehegten Pläne und veröffentlichte mit „The Boxer“ ein meditatives, elektronisches Solo-Album. Er suchte die Zurückgezogenheit, die er in Shoreditch im Osten Londons genießen konnte, und überlegte in aller Ruhe, wie es mit der Band weitergehen sollte. Denn dass es weitergehen sollte, stand für mehr oder weniger schnell fest – allerdings gab es zeitweilig sogar Pläne, ohne Kele weiterzumachen. Man sagte es eben niemandem. Das lag zum Teil auch an der Verschlossenheit des Sängers der Presse gegenüber. Interviews bereiten ihm bis heute Unwohlsein, in einem der seltenen Zwiegespräche regte er sich darüber auf, dass die Journalisten nur daran interessiert waren, was er zum Frühstück hatte und ob er nun schwul sei oder nicht. Ist er, das wissen wir heute. Aber es sollte eigentlich keine Rolle spielen.

Die Rückkehr mit Nr. 4 und 5

Die Rückkehr von Bloc Party erfolgte 2012. Auf „Four“ gab man sich offen wie immer, zitierte Post-Punk und packte mehr Gitarren denn je in die Songs. Die Welt empfing die Engländer mit offenen Armen, der ganz große Hype war jedoch vorüber. Das war natürlich ganz nach dem Geschmack der Band, die nie besonders gut mit all der Aufmerksamkeit zurecht kam. Dem mittlerweile fünften Album „Hymns“ tut das hörbar gut. Noch immer rollen die Gitarren durch die Nacht wie bei Joy Division, noch immer gibt es Stücke, die mit monotonem Beat das Post-Punk-Erbe bewahren. Im Rücken hat er elektronische Verstärkung, große Pop-Momente, Country (ja, wirklich!) und eine unglaublich variable Gesangsleistung von Kele Okereke. Aber insbesondere letzteres dürfte niemanden verwundern.

Es ist ein neuer Anfang für Bloc Party, das gab auch Okereke unlängst bekannt. Basser Justin Harris und Schlagzeugerin Louise Bartle sind neu in der Band, letztere ist eine 21-jährige Entdeckung, die die Anfänge ihrer neuen Band nicht mal mitbekommen haben dürfte. Das sollte sich als Glücksfall erweisen und bringt eine neue Perspektive in diese nicht immer grundstabile Band. Eine unbestimmte Pause ist uns nämlich erst mal genug.

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