artistxite-kolumne-fangesang

Mit Ohrstöpseln zum Festival

Die Soundrevolution beim Live-Erlebnis

Das „Coachella“ bastelt an der Zukunft des perfekten Festival-Sounds. Das Geheimnis sind Ohrstöpsel, die jeden Besucher zum eigenen Tonmischer machen. Wollen wir das?

So schwer es mir auch fällt, ich gebe es zu: Auf manchen Konzerten hätte ich mir doch ein wenig Schutz für meine Ohren gewünscht. Ja, Ohrenstöpsel. Doch so sinnvoll die kleinen Dinger auch sein mögen, sie stürzen mich immer wieder in ein Dilemma. Dabei geht es weniger um die Ästhetik, sondern um den grundsätzlichen Gedanken: Konzerte mit Ohrenstöpsel, ist das noch Rock’n’Roll?

Ein erster Test der Zukunft

Beim „Coachella“-Festival in den USA macht man sich weniger Gedanken um solchen Idealismus, sondern sieht die Ohrenstöpsel als Weiterentwicklung des Live-Erlebnisses. Festivals stehen ja oft im Ruf, einen weniger optimalen Sound als Konzerte zu liefern. Damit will man in Kalifornien aufräumen. Das „Coachella“ will das Sounderlebnis auf Festivals durch das Nutzen von Ohrstöpseln revolutionieren. Na hört mal, dabei wollen wir Puristen doch gerade durch den Verzicht den wahren Sound bekommen.

Die Macher des Festivals haben sich mit den Klangspezialisten von den Doppler Labs zusammengetan, um den Traum vom perfekten Festivalsound gemeinsam zu träumen. Daher sprechen wir hier auch nicht von Wattebauschen in den Ohren, sondern hochtechnischen Geräten.

Intensität selbst bestimmen

Der Trick sind zwei kabellose Knöpfe für das Ohr, die den Sound aktiv mitgestalten. Über eine App lässt sich der Sound modifizieren, bevor er ins Ohr geht. Damit kann jeder im Publikum sein eigener Tonmischer sein. Wenn dort im April Death Grips oder Hudson Mohawke die schweren Soundgeschütze auffahren und Rancid und Guns N’ Roses noch mal richtig loslegen, kann jeder Zuschauer die Intensität selbst bestimmen. Beim Festival selbst soll es für die verschiedenen Bühnen sogar vorgefertigte Klangschablonen geben.

Die Ohrstöpsel der Zukunft wird es zunächst nur für Besucher des „Coachella“ geben, die sich ihr Paar per Code bestellen können. Der Rest der Welt muss auf die Zukunft des Live-Sounds noch ein wenig warten. Man darf gespannt auf die ersten Berichte der Festivalgänger sein. Bis dahin geben wir uns einfach mit einem guten alten Konzert herkömmlicher Machart zufrieden. Ohne Ohrenstöpsel, Ehrensache!

HIER LIEST DU MEHR VON UNSEREN KOLUMNISTEN: