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David Bowie: Der letzte Zampano des Glam

Kunstfigur und Hit-Garant

Er hat seine Identität öfter gewechselt als andere Popstars ihre Unterwäsche. Er hat der Musikwelt auf ewig große Dienste erwiesen. Zu seinem Geburtstag beschenkt David Bowie sich und alle anderen mit einem neuen Geniestreich.

Im Internet kursiert eine GIF-Datei, die alle seine Identitäten in schwindelerregender Geschwindigkeit ineinander verschmelzen lässt. Da huschen sie alle vorbei, die Ziggy Stardusts, Major Toms, Rainbow Mans und Alladin Sanes, machen in Sekundenschnelle deutlich, was David Bowie nie konnte: stillstehen.

Projektionsfläche Bowie

Was es auch ist – er hat es schon mal ausprobiert. Höchstwahrscheinlich sogar mitbegründet. David Bowie ist der Urvater aller musikalischen Chamäleons, ein formverändernder, farbwechselnder, janusköpfiger und rastloser Künstler, wie ihn die Musikwelt kein zweites Mal gesehen oder gehört hat. Was wir heute als Gesamtkunstwerk bezeichnen, als enge Verzahnung von musikalischem, visuellem und inhaltlichem Grandeur, ist einzig und allein auf seine Person zurückzuführen. Bowie ist einer, über den viel gesagt, noch mehr geschrieben und am meisten phantasiert wurde. Und der sich selbst vornehm zurückhält, keine Interviews gibt.

Androgyn und facettenreich

Mehr Mythos als Mensch, mehr Legende als lebender Künstler. Und doch ist der 1947 geborene Engländer einer, der heute so aktiv, so einfallsreich und so stilprägend ist wie eh und je. Und immer noch für eine Überraschung gut ist. Für eine Sensation aus dem Nichts, die seinem Status als ewig junger Peter Pan des Pop zementiert. Emporgestiegen aus Londons Kunstszene der späten 60er und auch durch seine psychedelisch-verdrogte Weltraumballade „Space Oddity“ rasch zu einem Fixstern im Schmelztiegel des Londons der wilden 70er geworden, fiel Bowie mit Anfang 20 früh durch seine androgyne Art und seine auffällige Kostümierung auf.

Künstlerbild David Bowie credit Jimmy King

David Bowie auf artistxite – Fotocredit Jimmy King

The Rise And Fall …

Er begann als einer der frühen Punk-Pioniere, versuchte sich kurz am Hard-Rock und fand 1972 schließlich zu seiner wahren Bestimmung. Sein Album „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ bescherte ihm den internationalen Durchbruch und installierte ihn als Galionsfigur des Glam-Rock. Seine Mixtur aus Bob Dylan, The Velvet Underground, Science-Fiction-Bildhaftigkeit und psychedelischer Kunst kam hier erstmals in voller Pracht zum Vorschein und ließ ihn Pionier eines Sounds werden, mit dem auch Queen oder Guns N’Roses große Erfolge feiern sollten.

Die Berlin-Trilogie

Bowie war das aber zu wenig. Wie immer. Er ließ Ziggy Stardust bei einem Konzert wohlüberlegt „sterben“, machte sich als Produzent von Größen wie Lou Reed oder den Stooges einen Namen und dachte sich im Geheimen seinen nächsten Alter Ego aus. Mal machte er Soul und trat geschniegelt im Anzug auf, mal spielte er einen Außerirdischen (was sonst!) in einem Film. Seine Koketterie mit der Homosexualität und sein dandyhafter Lebensstil trugen zusätzlich dazu bei, dass er zu einer Kunstfigur wurde, wie sie die Musikwelt bis dato nicht gesehen hatte. Doch der Ruhm und der Druck hinterließen auch bei ihm Spuren. Ausgerechnet in West-Berlin bezog er Ende der 70er eine Sieben-Zimmer-Altbauwohnung, machte einen Entzug in ebendieser „Welthauptstadt des Heroins“ und legte mit seiner Berlin-Triolgie ein prägendes Stück Hauptstadtmusik vor.

Hits mit Jagger & Queen

Aus dieser Zeit stammt eines seiner bekanntesten Stücke. „Heroes“, das auch im Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zu hören war, war lange Zeit der ultimative Berlin-Song, wurde unzählige Male auf deutsch und englisch gecovert. Natürlich war es nicht sein einziger riesiger Hit. „Dancing In The Streets“ mit Mick Jagger oder „Under Pressure“ mit Queen – alles Welthits, die heute noch die Radiostationen bestücken. Auf und ab ging es auch bei ihm, sein letztes Album „The Next Day“ erschien 2013 völlig überraschend und wurde zum Triumphzug.

Nächster Halt: der schwarze Stern

2016 wird ein weiteres Bowie-Jahr. An seinem 69. Geburtstag erscheint sein 25. Album „Blackstar“. Die eigentliche Schreibweise ist lediglich das Symbol eines schwarzen Sterns, sinnbildlich für die funebre Jazz-Kaschemme, in die uns der grandiose Altmeister mit verführerisch schiefem Grinsen entführt. Schlagzeug und Saxofon sind diesmal Bowies Waffen der Wahl. Dies sei jedoch nur eine Randbemerkung. In seinen Händen wird selbst eine Blockflöte zum Mordinstrument. Im rein musikalischen Sinn natürlich. Happy Birthday, Mister Bowie. Schön, dass Sie mit uns feiern.

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