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Pelzig mit „Medium Cool World“ – ByteFM-Albumempfehlung

Den Kampf gegen den Alltag bebildern

Die Vergleiche mit Interpol und The National reißen nicht ab. Dabei machen Pelzig einfach nur starken Alternative-Rock mit Post-Punk. Made in Germany.

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Aufs erste Hören hin würde man Pelzig vermutlich nicht dem bayrischen Ingolstadt zuordnen. Viel eher könnten Pelzig Nachbarn der New Yorker Post-Punk-Kombo Interpol sein. Christian Schulmeyrs, oder auch „Schulis“, Gesang ähnelt dabei stark dem des Interpol-Sängers Paul Banks. Aber – und das muss gesagt sein – Pelzig gibt es schon wesentlich länger.

Von Slut via Weilheim zu Pelzig

Christian Schulmeyr und Rainer Schaller, bereits Mitglieder der Rockformation Slut, gründeten gemeinsam mit Rainers Bruder Christian und René Arbeithuber 1995 Pelzig. Bis 2004 produzierte die Band vier Alben, die teilweise im uphon-Studio in Weilheim aufgenommen wurden. Ein Studioname, den man durch die wohl erfolgreichste deutsche Indie-Band The Notwist schon kennen könnte. Nach elf Jahren erschien nun Ende November 2015 das fünfte Album „Medium Cool World“, das stilistisch an seine Vorgänger anknüpft.

Pessimismus und Hoffnung

„Medium Cool World“ wirft, wie der Titel schon sagt, einen skeptischen Blick auf die Welt – genau so, wie es sich für Rockmusik gehört. Die verzerrten Gitarren, treibenden Basslines und das krachende Schlagzeug verbinden sich mit Schulmeyrs prägnantem Gesang dabei zu einem stimmigen Ganzen. Kritik drückt sich dabei durch ein düsteres Klangbild aus, das zwischen pessimistischer Grundstimmung und Leuchten am Horizont changiert. Der Titel der ersten Singleauskopplung „Battles“ macht das Grundanliegen des Albums deutlich. Pelzig bebildern sehr gut den Kampf mit dem alltäglichen Dasein, realistisch, aber nicht abgebrüht.

Unvollständig, aber in Ordnung

Immer wieder fallen auch Synthesizer ein, die sich tief ins Klangbild weben. So wandert das Album zwischen aggressiven Post-Punk-Nummern wie „Trasher“, das durch düsteren Sprechgesang an Joy Division erinnert, New-Wave-Einflüssen sowie treibendem Alternative-Rock. Immer wieder wird die Stimmung aufgebrochen und von Hoffnungsschimmern durchzogen, so im Refrain des Stücks „Safe“:„It’s Still Incomplete, But That’s Alright“.

„A Medium Cool World“ verweigert sich selbstbewusst und souverän jeglichen musikalischen Trends und wirkt so wie ein zeitloses Statement einer gestandenen Band, die sich nicht mehr beweisen muss und die HörerInnen in seinen Bann zieht. Auch wenn Pelzig immer wieder Vergleiche zu Interpol oder The National wachrüttelt, bewahrt die Band ihren eigenen Stil – made in Germany.

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