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Für Hilde

Die größte Sängerin ohne Stimme

Im Dezember wäre die große Hildegard Knef 90 geworden. Ein Cover-Album zollt der großen Dame Tribut. Unser Autor Marco Fuchs ebenfalls.

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Hildegard Frieda Albertine Knef hat in ihr Leben so viel reingepackt, wie man es im bewegten 20. Jahrhundert eben nur so konnte: Wandlerin zwischen den USA und ihrer deutschen Heimat, UFA-Star, Sängerin, Schauspielerin, drei Ehen, Bücher, riesige Erfolge, dramatische Niederlagen. Höhepunkt einer Biographie, die mit Skandalen flirtete: Mit ihrer Rolle in „Die Sünderin“, Nacktszene und Thematisierung von Prostitution und Freitod inklusive, sorgte Hilde Knef 1950 für den vielleicht größten Kino-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Ein Affront für das prüde Deutschland

Für die prüde deutsche Gesellschaft der 50er und 60er war die Knef, oder Hildegarde Neff, wie sie sich fast zwanzig Jahre im Ausland nannte, ein Affront. Eine starke Frau mit eigenem Willen, talentiert, überschäumend, distanziert, nie unterwürfig. Nachdem Anfang der 60er ihre Filmkarriere ins Stocken geriet, kamen nach und nach die großen musikalischen Erfolge in einem langsam liberaler werdenden Deutschland: Chansons wie „Schön war es doch“ und „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ mehrten ihren Ruhm, dem der Absturz folgte. Krebs, Scheidung, Misserfolge.

Rote Rosen mit Dornen

Erst 1992 die Rückkehr ins Rampenlicht mit einer Neuaufnahme von „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ gemeinsam mit Extrabreit. 1999 erschien ihr letztes, von Till Brönner produziertes Album „17 Millimeter“, 2002, ein Jahr, nachdem die gebürtige Ulmerin ihre deutsche Staatsbürgerschaft nach 54 Jahren zurückerlangte, starb sie an einer akuten Lungenentzündung.

Anlässlich ihres 90. Geburtstages am 28. Dezember 2015 erscheint nun die Compilation „Für Hilde“, auf der so unterschiedliche Künstler wie Samy Deluxe, Die Fantastischen Vier, Clueso, Bela B., Mark Forster und Dendemann der großen, großen Dame Tribut zollen. Oder wie es Ella Fitzgerald einmal formulierte: „Hildegard Knef ist die größte Sängerin ohne Stimme.“