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Swans: Brutale Noise-Rock-Ritualisten

Kompromissloser geht nicht

Sie sind bis heute die Antithese zu Pop und Kommerz, ihre Alben intensive Grenzgänze. Jetzt bäumen sich die Post-Punk-Nachlassverwalter ein letztes Mal auf.

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Ihr Kommen war wie eine Eruption, ein Paukenschlag von kolossalen Ausmaßen. Als Swans 1983 mit ihrem lauten, dreckigen, blechernen, dissonanten, monotonen und nervenzerfetzenden Debüt „Filth“ in New Yorks Underground-Szene auftauchten, lösten sie eine Kettenreaktion aus. Die einen wandten sich angewidert von so viel Krach, Schmutz und Chaos ab, die anderen stürzten sich hungrig auf dieses vielköpfige Biest, das die No-Wave-Bewegung anführte und lieblichen Pop-Pathetikern den Kampf ansagte. Swans, und damit ist vor allem Bandgründer und einziges Originalmitglied Michael Gira gemeint, nahmen das triste, depressive Erbe von Joy Division und Killing Joke, misshandelten es, verzerrten, verdrehten, zerfetzten es und errichteten auf den Überbleibseln ihren lauten Thronsaal.

Gehörstürze und Polizeieinsätze

In den 80er konnte jede andere Band in Sachen Aggressivität, Intensität und nihilistischer Aussage einpacken. Die aufkommende Death-Metal-Bewegung – weggefegt von atonaler Zerstörungswut. Die marschierende EBM-Szene – zertrümmert von industrieller Hetzjagd und gnadenlos monotoner Härte. Swans waren anders als alles andere, ihre Live-Shows glichen eher besessenen Ritualen denn Konzerten. Wer headbangte, bekam vom Chefwahnsinnigen Michael Gira persönlich eins auf die Mütze. Um es so weit zu bringen, musste man es aber erst mal schaffen, die aberwitzige Laustärke auszuhalten, für die Swans-Konzerte bekannt waren. Gehörstürze und Polizeieinsätze waren bei ihrem Auftritten ebenso gewöhnlich wie Rangeleien und Beleidigungen.

14 Jahre schmerzhafte Existenz

Von 1983 bis 1997 waren Swans mehr Punk als Punk jemals sein würde, mehr Metal als Metal jemals sein konnte. Die Musik transzendierte auf meisterliche Weise alles, was ihr in die Quere kam, scharwenzelte um Noise, Rock, Metal, Post-Punk und Industrial und wurde von Giras obskuren, finsteren, vernichtenden und oftmals geschmacklosen Texten zusätzlich gepanzert. Ja, Swans waren in den 14 Jahren ihrer schmerzhaften Existenz eine Band, an der sich die Geister schieden. Doch sie waren Pioniere, Vordenker, Genies. Da ist der Wahnsinn bekanntlich nie weit.

Übellauniger Untergangsprophet

Heute gibt es Swans wieder, wenn auch in veränderter Besetzung ohne die langjährige Mitstreiterin Jarboe, selbst so etwas wie eine in Musik gegossene Macbeth-Hexe. Insbesondere die beiden letzten Werke „The Seer“ und „To Be Kind“ knüpften mühelos an alte Erfolge an, zeigten Gira noch immer als den knurrigen, übellaunigen Untergangspropheten, der lieber sterben würde, als zu lächeln oder sich bei seinem Publikum zu bedanken. Weil alle schlechten Dinge irgendwann enden müssen, nähert sich auch die zweite Inkarnation von Swans ihrem Untergang. Ein letztes Studioalbum soll es noch geben, dann wird abermals Beerdigung gefeiert, wird der Kadaver Swans einmal mehr der Friedhofserde übergeben.

Neues aus der versöhnlichen Phase

Das Vermächtnis dieser brutalen Ritualisten wird jedoch fortbestehen. So erblicken seit geraumer Zeit atypisch liebevoll aufgemachte, kunstfertig remasterte und mit allerlei Bonusmaterial versehene Werke erneut das hässliche Licht der Welt – stets als sinnhaft verwobenes Zweierpack. Auch „White Light From The Mouth Of Infinity“ und „Love Of Life“, veröffentlicht Anfang der 90er, erscheinen nun mit jeder Menge rarem Material neu. Beide Werke entstammen einer ruhigen, beinahe versöhnlichen Phase, in denen Gira auch mal folkige Töne zupfte und sogar einen Song „Love Will Save You“ nannte. Und das haben bekanntlich nicht mal Joy Division fertig gebracht.

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