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Adele: Schicksalsjahre einer Pop-Kaiserin

Ehrlich und gewaltig

Jahrelange Stille, dann ein einziger neuer Song – und schon steht die Welt wieder Kopf. Adeles triumphale Rückkehr könnte spektakulärer nicht ausfallen.

Nutzt den Player und hört ab Freitag, den 20.11.2015, beim Lesen ins neue Album von Adele rein.

Statistiken sagen nicht immer alles. Dennoch ist manchmal bereits ein Blick auf nackte Zahlen außerordentlich beeindruckend. Diese hier zum Beispiel: In den ersten 24 Stunden wurde das offizielle Video zu Adeles Comeback-Single „Hello“ 27,7 Millionen Mal geklickt – mehr als jedes andere vor ihr. Zeitweise wurde es eine Million Mal pro Stunde geschaut, zudem stieg der Song aus dem Stand von Null auf Eins in die englischen Single-Charts, verkaufte sich besser als jede andere UK-Single der letzten drei Jahre und schaffte es als erster Song in den USA, eine Million Mal in der ersten Woche legal heruntergeladen zu werden. Mit was? Mit Recht natürlich, die Nummer ist die erwartete Großtat einer großen Stimme.

Wenig Publicity, große Stimme

Zahlen spielen im Wirken der englischen Ausnahmekünstlerin eh eine herausragende Rolle. 2009 erschien ihr Debüt „19“, zwei Jahre darauf folgte „21“. Jetzt ist sie bei „25“ angelangt. Das entspricht zwar nicht ganz dem Alter, in dem sie sich mittlerweile befindet, fängt aber dennoch die Abstände ein, in denen ihre Alben erscheinen. Diesmal waren es ganze vier Jahre, in denen sich Adele rarer als rar gemacht hat. Sowieso ist die Sängerin niemand, die gern im Rampenlicht steht, auch in ihren aktiven Phasen lebt sie zurückgezogen, gibt wenige Interviews, legt keinen Wert auf den großen Auftritt in der Öffentlichkeit. Dafür legt sie großen Wert auf ihre Musik. Das macht Adele schon früh in ihrer Karriere zu einer Ausnahmeerscheinung, die sich tatsächlich darauf beschränkt, mit grandioser, bewegender und seelenvoller Musik aufzufallen.

Die Essenz eines Bond-Songs: „Skyfall“

Wie vor drei Jahren, als sie aus dem Nichts mit dem Titelsong der letzten James-Bond-Mission „Skyfall“ auftauchte. Mal so eben bescherte sie der Filmreihe einen der besten Titelsongs aller Zeiten, die aufwallende Melancholie, die opulente Tragik, die soulige Pop-Ader hatten sie da längst zu einem Superstar gemacht. Mit ihren 27 Jahren wurde sie von der Königin längst zur Dame geschlagen, ist Englands Pop-Majestät, konnte bei einer einzigen „Grammy“-Verleihung sechs der begehrten Trophäen abstauben. Die bewahrt sie nach einer Interviewaussage im Badezimmer auf. Muss ein recht großes Badezimmer sein, immerhin gesellen sich zahllose weitere Preise aus aller Welt zu diesem Haufen an „Grammys“. Groß oder klein – Es zeigt etwas Essentielles: Adele ist niemand, die möglichst schnell möglichst weit kommen will und es erwartet, stetig im Rampenlicht zu stehen. Sie ist eine Engländerin, die ihre Karriere im Kindesalter mit Spice-Girls-Nachahmungen begann und nichts hält von Saus und Braus.

Adele Singlecover credit XLRecordings Beggars Group

Hier geht es zu Adele auf artistxite – Foto: XLRecordings Beggars Group

Zuerst Mensch, dann Musikerin

Das Gegenteil ist sogar der Fall: Je größer der Erfolg wurde, desto mehr zog sie sich zurück. Dies tat sie jedoch keineswegs überheblich und menschenscheu, sondern aus dem verständlichen Grund, dass sie mit dieser Seite der Musikindustrie nichts zu tun haben möchte. Da kann sie noch so oft im „Guinness Buch der Rekorde“ auftauchen, kann sie von noch so wichtigen Magazinen zu einer der einflussreichsten Frauen der Welt gewählt werden, konnte sie noch so oft Songs für befreundete Ikonen wie Sia schreiben. Adele ist zuerst Mensch, dann Musikerin. Mit einem Dasein als Star will sie nichts zu tun haben. Deshalb hat sie sich auch so lang zurückgezogen, um in aller Ruhe an ihrem dritten Album zu feilen. Nach „21“, dem Album, auf dem Adele eine Trennung verarbeitete, beschreibt sie „25“ als Album der Wiedergutmachung. Sie setzt sich in zerbrechlichen, ehrlichen und betörenden Songs mit der Person auseinander, die sie geworden ist – als Form der Entschuldigung vor sich selbst, dass sie erst jetzt dazu kommt. Sie sollte es sich verzeihen. Schließlich hat eine Karriere wie die ihre den Seltenheitswert eines Sechsers im Lotto.

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