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Die Nerven: Angriff ist die beste Verteidigung

Musik, die zähneknirschend bewegt

Der Indierock-Hype der letzten Jahre kommt aus Stuttgart: Die Nerven spielen hin- und mitreißenden Noiserock.

Nutzt unseren Player im Artikel und hört beim Lesen in das neue Album von Die Nerven rein.

Manchmal, ganz ab und zu, da kommt eine Band vorbei, und nichts ist mehr wie vorher. Eine Band, bei der man sich fragt: Wo kommt die denn her, und wo ist sie all die Jahre gewesen?!? Die Nerven sind so eine Band, über die der Musikexpress völlig zu Recht schreibt, dass man so was auf Deutsch noch nie gehört hat. So eine Rockmusik: so treibend und beklemmend, so verzweifelt und verloren, so mit- und hinreißend.

Mehr vermag Rockmusik nicht zu leisten

„Das Glück ist weg, die Feinde nicht“, singt Sänger und Bassist Julian Knoth auf dem neuen, dritten Album der Band, und genau so klingt das auch. Hier liegen die Nerven im besten Sinne blank, und Angriff ist die beste Verteidigung. Mit dieser Haltung beruhigen Die Nerven den Hörer, und wühlen ihn zugleich auf – mehr vermag Rockmusik nicht zu leisten.

So war das schon immer bei den Post-Punkern aus Stuttgart, die 2012 ihrem Demo „Asoziale Medien“ ziemlich zügig das Album „Fluidum“ folgen ließen. Das Debüt zitierte so unterschiedliche Einflüsse wie Sonic Youth oder Black Sabbath und ließ im Untergrund aufhorchen, eine breitere Masse wurde dann 2014 mit dem Nachfolger „Fun“ erreicht: Die Platte wurde in der Spex gefeiert und von Spiegel Online als eine der „wichtigsten und besten deutschsprachigen Platten des Jahrzehnts“ bezeichnet. Die Nerven hätten nun einen Rockstar-Film fahren können, stattdessen ließen sie sich in ihren Videos lieber doublen: im Clip zu „Irgendwann geht’s zurück“ (schon 2012) von Mädchen, im Kurzfilm zum „Fun“-Mini-Hit „Angst“ gar von Tocotronic.

Künstlerbild Die Nerven credit Sander Baks

Klickt auf das Bild und ihr findet alle Alben von „Die Nerven“ auf artistxite – Foto: Sander Baks

Reise ins Ungewisse

Den Hype haben sie so offensichtlich gut verkraftet, denn das neue Album „Out“ ist noch bissiger als die Vorgänger. Vielleicht liegt das daran, dass die Jungs überhaupt gar nicht wussten, wohin die Reise nach den Lobhudeleien jetzt wohl geht – deshalb auch der Albumtitel: „Das Album heißt so, weil wir vorwegnehmen wollten, dass es vielleicht in die Hose geht“, sagt Knoth im Interview mit dem Rolling Stone. „In und out eben.“

Es ist nicht in die Hose gegangen: Die zehn Songs, die in nur fünf Tagen mit Produzent Ralf Milberg auf einem bayerischen Bauernhof aufgenommen wurden, reißen ebenso stark mit wie ein Konzert der fantastischen Live-Band. Dazu gibt es Kritik am Zeitgeist wie in der Single „iPhone“, über die Gitarrist Max Rieger sagt: „“Als wir den aufgenommen haben, war ich der Meinung, dass ich nie wieder in die Realität zurückfinden würde.“ Und für Freaks hält das Trio, das von Schlagzeuger Kevin Kuhn komplettiert wird, ein paar akustische Gimmicks bereit – zum Beispiel den rauschenden Bergfluss in „Jugend ohne Geld“, für den sie einen sprudelnden Wasserkocher mit sieben Mikrofonen aufgenommen haben.

Es bleibt spannend

So wird „Out“ zu einem ähnlich spannenden Album wie „Fun“, musikalisch ist es sogar noch ein bisschen reifer. Wenn „Fun“ also eine der besten deutschen Platten des Jahrzehnts war – dann ist „Out“ eine der noch besseren. „Das Wichtigste“, sagte Rieger im Interview auf Arte, „ist, wenn wir Musik machen, dass es uns bewegt.“ Trotzdem ganz schön, dass Die Nerven auch uns so bewegen.

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