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Italienische Musik: die wichtigsten Künstler

Sieben italienische Künstler, die man kennen muss

Zugegeben, am ehesten ist es immer noch das Klischee vom zuckersüßen Italo-Pop aus dem letzten Urlaub, das die italienische Musik umweht. Dass man der Musikszene dieses Landes damit grob Unrecht tut, beweisen diese sieben italienischen Künstler, die man kennen muss.

Tiziano Ferro

Fangen wir mal mit einem Künstler an, der noch am ehesten in das Bild des Italo-Pop-Künstlers passt, wie er auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist: Tiziano Ferro (Artikelbild) ist für viele bis heute noch immer das Gesicht der modernen italienischen Pop-Musik. Was er auch veröffentlicht, geht in Italien in der Regel direkt auf die Eins, praktisch jeder kennt ihn, die meisten mögen ihn. Er ist mit seinen 35 Jahren vielleicht nicht mehr der Jüngste, doch weiterhin eine Galionsfigur des Gentleman-Pop und rechtmäßiger Erbe der Eros Ramazzottis und Zuccheros. Zudem ist Ferro ein echter Kosmopolit: Er nennt Wohnsitze in London und seiner alten Heimatstadt Latina sein eigen, lebt in beiden, komponiert in beiden – wird in Latina aber höchstwahrscheinlich öfter erkannt. Hier war fast jedes seiner Alben ein direkter Nummer-Eins-Erfolg, hier sorgte auch seine Autobiografie, die unter anderem sein Coming-Out verkündete, für lange Schlangen und Headlines. Eben wie es sich für einen echten Pop-Star gehört.

Künstlerbild Emis Killa credit Rovi

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Emis Killa

Zigfach preisgekrönt und zu Hause irgendwo in den angesagten Grenzlanden zwischen Rap und Pop ist Emis Killa. Mit gerade mal Mitte 20 zählt er längst zur Speerspitze des italienischen Sprechgesangs, rappt und singt in seiner Landessprache und kollaboriert gern mit anderen Größen und Ikonen der Szene. In „A Cena Dai Tuoi“ ist beispielsweise J-AX zu hören, selbst sehr erfolgreicher Rapper und Teil der einflussreichen Italo-Rap-Combo Articolo 31. Im Gegensatz zu ihnen ist Emis Killa jedoch deutlich urbaner und offensiver – auch, was manche seiner Aussagen in der Öffentlichkeit angeht. Das liegt wahrscheinlich an seinem Naturell, immerhin stammt Killa ursprünglich aus Palermo in Sizilien. Hier ist sie zu Hause, die typische italienische Schnauze, die Impulsivität, die ihm schon das eine oder andere Mal Schwierigkeiten, aber vor allem eine Menge Ruhm eingebracht haben: Sein Clip zu „Parole Di Ghiaccio“ zumindest wurde binnen kurzer Zeit 20 Millionen Mal geklickt. Er weiß eben, wie man sich im Gespräch hält – und ganz nebenbei einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt.

Künstlerbild Lacuna Coil credit Rovi

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Lacuna Coil

Wenn es in härtere musikalische Gefilde mit Kajal um die Augen und schwarzen Klamotten geht, sind die alternativ angehauchten Goth-Rocker/Metaller von Lacuna Coil bis heute Italiens größer Exportschlager. Ihre Nummer „Heaven’s A Lie“ war ein weltweiter Club-Hit in den härteren Diskotheken, ihr 2012er-Album „Dark Adrenaline“ kletterte sogar in den USA bis auf Rang 15. Ihr letztes Werk nahm die Horrorfilme des italienischen Kultregisseurs Dario Argento zum Vorbild, würdigte sie in wuchtigen Breitwand-Rock-Hymnen, die weniger typisch italienisch und eher nach Hollywood klangen. Gut waren sie so oder so. Angeführt von der bildhübschen Cristina Scabbia, die viel Wert darauf legt, dass man ihren Vornamen ohne H schreibt, sind Lacuna Coil bis heute die italienische Band, die am stärksten auf internationalen Bühnen und den ganz großen Rock- und Metal-Festivals präsent ist.

Künstlerbild Ennio Morricone credit Guido Harari

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Ennio Morricone

In einer Liste wie dieser darf natürlich auch der wahrscheinlich weltweit einflussreichste Musiker nicht fehlen: Ennio Morricone, Komponist, Dirigent, selbstbewusster Tausendsassa und legitimer „Oscar“-Preisträger, hat unzählige Streifen mit seiner Musik unvergesslich gemacht. Der stolze Römer lebt auch mit seinen bald 80 Jahren stolz in seiner Stadtvilla, komponiert bis heute und dirigiert noch immer regelmäßig Konzerte in den ganz großen Hallen der Welt. „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Cinema Paradiso“ oder „Zwei glorreiche Halunken“ wurden auch durch seine unverkennbare Musik zu Klassikern, insgesamt vertonte Morricone mehr als 500 Filme! Wenn der geistige Vater der italienischen Westernmusik auftritt, gibt es natürlich immer noch seine großen Klassiker zu hören. Aber Vorsicht: Von „Spaghetti-Western“ sollte man in seiner Gegenwart niemals sprechen. Sei’s drum: Bis heute lassen sich viele Komponisten von seinem Stil inspirieren, auch Metallica eröffnen jedes ihrer Konzerte mit seinem unsterblichen „Ecstasy Of Gold“.

Künstlerbild Alessandra Amoroso credit Rovi

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Alessandra Amoroso

Auch in Italien sind Casting-Shows ein unverzichtbarer Bestandteil der Medienlandschaft und seit Jahren nicht aus dem Fernsehalltag wegzudenken. Einen gewichtigen Unterschied gibt es jedoch: Im Gegensatz zu Deutschland werden die Kandidatinnen und Kandidaten dort nicht derart lieblos und profitorientiert verheizt, um gute Quote zu machen. Bestes Beispiel ist Alessandra Amoroso. Seit ihrem Gewinn der Talentsuche „Amici Di Marie De Filippi“ Anfang 2009 schwimmt sie von einem Erfolg zum nächsten, wurde zuletzt 2014 bei den „MTV Europe Awards“ als bester italienischer Act ausgezeichnet. Ihr sanfter, bisweilen rockiger Pop ist italienischsprachig, natürlich ist er das: So mögen ihn die Italiener schließlich am liebsten. Könnte was werden mit der Gianna-Nannini-Nachfolge – unter einem Casting-Stigma leiden die italienischen Teilnehmer nämlich nicht.

Künstlerbild Moda credit Rovi

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Modà

Eine der wichtigsten kontemporären Rock-Bands Italiens hat lange auf ihren Durchbruch hin gearbeitet. 2002 in Mailand gegründet, sollte es bis 2011 dauern, bevor großartig etwas passierte. Dann jedoch ging alles ganz schnell: Wie für viele andere Bands, erwies sich auch für Modà zunächst die Teilnahme am „San Remo“-Festival als hilfreich, mit dem vierten Album war es dann endgültig soweit: Modà waren auf einmal in aller Munde, der Name verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Seither regnet es Nummer-Eins-Platzierungen in Italien, zuletzt 2013 mit „Gioia“. Stilistisch Italiens legitime Antwort auf Oasis, darf man äußerst gespannt sein, was es als nächstes von den Mailändern zu hören gibt. Nur eines ist jetzt schon gewiss: Die Italiener werden sich sofort darauf stürzen.

Vermillion Sands

In Sachen sphärischer, psychedelischer Indie-Rock tut sich auch in Italien eine ganze Menge. Es brodelt unter der Oberfläche, insbesondere in Norditalien gibt es ganze Nester an befreundeten Bands, die vor Kreativität und Originalität regelrecht überschäumen. Hervorzuheben sind neben den pausierenden respektive aufgelösten Afterhours oder Lost vor allem Vermillion Sands. Benannt nach einer dystopischen Kurzgeschichtensammlung von Jason Graham Ballard, gelingt der Band der Spagat zwischen angesagten Indie-Rock-Insignien und versponnen-experimentierfreudiger Aura. Der ganz große Wurf wird ihnen in Italien damit vermutlich nicht gelingen, umso spannender dürfte diese Formation indes für den Rest der Welt sein.

Man muss sich eben nur von dem Vorurteil lösen, dass italienische Musik höchstens für den Chianti-Abend auf dem Hotelbalkon geeignet ist. Doch das geht schneller, als man denkt! Wer sind eure Lieblingskünstler aus Italien? Schreibt uns einen Kommentar.

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