Dornik-credit-Caroline

Dornik mit „Dornik“ – ByteFM Albumempfehlung

Bipolare Soulmusik

Das selbstbetitelte Debütalbum von Soul-Sänger Dornik bringt ins Grübeln. Rein faktisch ist das unkompliziert und schnell erzählt: Dornik kommt aus UK, macht Soulmusik, die rein elektronisch entsteht und sich damit der Moderne zuwendet, und gilt als die britische Antwort auf The Weeknd und Frank Ocean.

Hört gleich hier in das Album von Dornik rein und schreibt uns eure Meinung dazu in die Kommentare!

Ganz schön große Fußstapfen, die der smarte Musiker da füllen muss. Dass er das problemlos schafft, da muss man sich keine Sorgen machen. Was viel mehr die Fragezeichen in die Augen treibt, ist dieses Debütalbum. Schließt man von seinen Songs auf den Charakter Dorniks, dann ist er entweder vollkommen bipolar oder er liebt das Spiel mit den Gegensätzen.

Sanfte Andeutungen

Es fängt mit dem Genre-Verwirrspiel an: Dornik vereint auf seinem Debüt das leicht angestaubte Genre des klassischen Souls mit viel elektronischem Klang. Nicht ein einziges analoges Instrument flackert auf, stattdessen mischen Synthies und E-Drums funkige Beats in die Songs. Dieser Sound geht nicht in die Richtung des Disco-Funks, wie ihn beispielsweise Prince kultiviert hat, sondern versteht sich auf sanfte Andeutungen. Hier und da schleicht sich mal ein Discobeat ein, ab und an meint man gar 90er-Jahre-Dance rauszuhören. Doch immer gedeckelt, immer mit leichter Zurückhaltung, beinahe schüchtern.

In fremden Stimmen

So auch klingt die Stimme Dorniks. Es schwirren Adjektive im Raum umher wie „zerbrechlich“, „sanft“ oder „introvertiert“, aber, das trifft es nicht. Dornik singt so, als würde er vor das Mikrofon gezwungen werden, als traue er sich nicht so richtig. Er haucht leicht, verzerrt seinen Gesang elektronisch oder doppelt ihn. Kaum zu glauben ist: Das Ergebnis seiner Stimmverfremdungen klingt ungeahnt stark. Selten sind die Momente, in denen er auszubrechen scheint – und deutet sich dieser Ausbruch an, wird er von sanften Chören im Hintergrund oder schwebenden E-Piano-Klängen sofort aufgefangen. Richtig, aufgefangen. Nicht aufgehalten. Nicht abgebrochen. Aufgefangen.

Schwächen werden Stärken

Dieses Auffangen, dieses sich gegenseitig Bedingen, diese Gegensätzlichkeit scheint Dornik verinnerlicht zu haben. Das Debüt des Briten klingt von vorne bis hinten bipolar. Es vereint ohne Anstrengung mehrere Genres, ja beinahe mehrere Epochen, miteinander. Es lässt vermeintliche Schwächen zu Stärken werden. Es kommt mit einer Nonchalance daher, die unglaublich aufregend ist. Und letztlich generiert es genau dadurch absolute Aufmerksamkeit beim Hören. Genau das ist Grund genug, das Grübeln sein zu lassen und sich diesem bipolarem Album voll und ganz hinzugeben.

Der Artikel gefällt euch? Dann freuen ByteFM und wir uns, wenn ihr ihn auf Facebook oder Twitter teilt oder liked!

Klickt euch weiter durch unseren Blog: