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Peaches: Die Mutter aller Skandalnudeln

Gegen Scheinheiligkeit und Doppelmoral

Unsere Lieblingsschockerin Peaches ist zurück: „Rub“ heißt ihr fünftes Album. Es macht deutlich, wie lange die Exil-Berlinerin schon ihren ganz eigenen Weg geht.

Nutzt den Player im Artikel und hört euch während des Lesens nochmal die Alben von Peaches an!

Dass Peaches eine verdammte Kämpferin ist, wissen wir schon lange. Seitdem sie im Jahr 2000 erstmals unter diesem Namen auf der Underground-Bühne erschien, kämpft sie mit Tabubrüchen und expliziter Sexualmetaphorik gegen Scheinheiligkeit und Doppelmoral – was ihr so zwangsläufig wie regelmäßig einen aufgeregten Feedback-Cocktail aus Empörung und Bewunderung beschert.

Künstlerin mit Nehmerqualitäten

In ihrem neuen Musikvideo macht sie ihre Nehmerqualitäten zurzeit aber noch einmal überdeutlich: Da spielt Merrill Nisker – so Peaches’ bürgerlicher Name – eine Wrestlerin, die von Kim Gordon – noch so ein Girl, das es gerne gegen die ganze Welt aufnimmt – trainiert wird. Der Clip, bei dem ihr Freund und Produzentenpartner Vice Cooler Regie führte, ist nach „Light In Places“ der zweite Vorbote von „Rub“, dem neuen Album der Exil-Berlinerin mit den kanadischen Wurzeln. Im Video gibt es ordentlich auf die Fresse, aber das ist die Geschichte ihres Künstlerlebens, des Künstlerlebens von Peaches.

Schillernde Diva des Geschlechterkampfes

Ihre ersten musikalischen Meriten verdiente sich die heute 46-Jährige in einer legendären Band namens The Shit, in der sie zusammen mit dem heute gleichsam famosen Chilly Gonzales sowie den Kollegen Mocky und Sticky zu legendär-lauten Konzertorgien lud. Später verhilft Gonzales ihr auch zum Solo-Vertrag beim Berliner Label Kitty-Yo. Dort debütiert sie mit „The Teaches Of Peaches“ und der Hymne „Fuck The Pain Away“. Fortan gibt Peaches die schillernde Diva des Geschlechterkampfes, schockt gekonnt mit lasziven Latex-Live-Shows und modelliert fleißig an der eigenen Ikone.

Björk, QOTSA & Iggy

Die coole Garde von Rock bis Underground steht Schlange, um sich in ihrem verruchten Licht zu sonnen: Peaches spielt im Vorprogramm von Björk und Queens of the Stone Age, dreht mit John Malkovich „The Hideous Man“ und gewinnt für ihr zweites Album „Fatherfucker“ einen gewissen Iggy Pop für den Schlagabtausch-Track „Kick It“. Ab Mitte der Nullerjahre verwaltet Peaches ihr sexuell aufgeladenes Image mit den Alben „Impeach My Bush“ und „I Feel Cream“, sie gibt weiterhin gekonnt die Mutter aller Skandalnudeln – in guten Momenten schockt sie immer noch, den Rest der Zeit liefert sie souveränes Electroclash-Entertainment.

Nach der Pause das Maximum

Ein Verdikt, das so auch für „Rub“ stehenbleiben kann, dem fünften Album, dem ersten nach sechs Jahren. Aufgenommen hat sie es in ihrer Garage in Los Angeles, Vice Cooler war auch wieder dabei. Zur Entstehung der Platte sagt Peaches: „Nach sechs Jahren Pause fühlte ich mich wieder von meinen Texten angezogen, davon, was Peaches bedeutet. Wir haben zehn Stunden am Tag damit verbracht, Beats zu basteln und so bald etwas gut war, habe ich einen Text dazu geschrieben. Die einzige Maxime war, das beste Album zu erschaffen, zu dem ich imstande bin.“ Große Worte. Andererseits: Drunter hat Peaches es in ihrer Karriere noch nie gemacht.

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