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Beinahe berühmt: Die Regierung

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht

Anlässlich des Releases von „Live 1994“ ist es an der Zeit, der besten fast berühmten Band Deutschlands zu huldigen: Die Regierung.

Es sind gerade gute Wochen für die Fans der Hamburger-Schule-Überband Die Regierung, die alles sein wollte, nur keine Hamburger-Schule-Band. Roundabout 1994 waren Tilman Rossmy, Mense Reents und Kollegen mit ihren Alben „So drauf“ und ganz besondes „Unten“ die heißesten Jungs zwischen Ruhrgebiet und Elbe, ohne sie keine Tocotronic, unzählige spätere Musikjournalisten und Musiker ließen sich vom lakonisch nölenden Rossmy Sätze für später in den Block diktieren.

Nur Hits: Tilman Rossmy

Jetzt hat Mastermind Tilman Rossmy, der nach dem Ende von Die Regierung als Elder Statesman des CountrypopIndie-Geschichtenerzählens noch circa 50 Welthits geschrieben hat, wieder eine satisfaktionsfähige Formation der Band zusammengetrommelt, die im September erneut für vier Konzerte Gitarren einstöpseln wird. Das erste „Comeback“-Konzert aus dem Frühjahr gibt’s bereits zum Download („Live in Essen 2015“), einen ziemlich exakten Blick auf die Urgewalt ihrer Songs und Texte bietet „Live 1994“. Eine Band auf dem Höhepunkt ihrer Macht.

Alles, was es über die Liebe zu wissen gilt

Stücke wie „Das Mädchen, das jeder will“, „1975“, „Markus“ oder „Nicole“ gehören zum besten, was es in diesem Leben zu entdecken gibt. Das klingt jetzt etwas euphorisch? Quatsch, von Tilman Rossmy lernen heißt, fürs Leben zu lernen. Biografische Referenz: Mehr über die Liebe als Stücke wie „Natalie sagt“, „Loswerden“ oder „Zur Erinnerung oder so“ konnte mir keiner dieser sogenannten „Freunde“ beibringen. „Natalie sagt, sie ist verliebt in mich. Natalie sagt, sie denkt, ich weiß, wie das ist. Natalie sagt, sie ist so zappelig. Natalie sagt: Natürlich ist sie etwas unglücklich. Natalie fragt: Warum hast du mich denn eigentlich geküsst? Natalie fragt, was ich nicht an ihr mag … Und ich weiß auch nicht wieso, ich weiß auch nicht weshalb. Es ist immer wieder neu, es ist immer wieder gleich.“ Da ist doch schon alles drin, was man als Starter-Kit in Sachen Herzschmerz braucht.

Trüffelschweine und Geschichts-Digger

Beziehungsweise: „Da ist zu wenig Sonnenschein, zu viel Regen. Und irgendwie können wir einfach nicht drüber reden. Vielleicht sind wir doch viel zu verschieden, ich glaub, ich hab aufgehört dich zu lieben. Ich glaub, ich will dich lieber loswerden. Da war ’ne Zeit, da konnte ich nicht genug von dir haben und jeder Tag ohne dich war kaum zu ertragen. Jetzt sind wir die ganze Zeit zusammen, aber wir haben uns nicht mehr viel zu sagen … ich glaub ich will dich lieber loswerden.“ Würde man sich einfach nur darauf konzentrieren, die Texte von Die Regierung zu verstehen, wären 80 Prozent aller Therapeuten in diesen Breitengraden arbeitslos. Harte Ansage? Nutzt ja nix, ist so. Ich denk’s mir ja auch nicht aus.

Also, Trüffelschweine und Geschichts-Digger in Sachen deutschsprachige Musik: Hier seid ihr richtig. Und: hingehen. Am 19. September in Köln, am 20. in Hamburg, am 21. in Berlin, am 23. Leipzig.

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