Rayland Baxter credit OneBeatDigital

Rayland Baxter: Der Country-Dude mischt Nashville auf

Endlich angekommen

Mit nur einem Album hat er sich einen Namen in der Alternative-Country-Welt gemacht – ganz ohne seinen berühmten Vater und fast ein bisschen widerwillig.

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Nein, das hier ist nicht eine dieser typischen Vater-Sohn-Geschichten. Es stimmt zwar, dass Buddy, der Vater von Rayland Baxter, ein profilierter und berühmter Country-Musiker ist, der mit Bob Dylan gespielt und mit R.E.M. aufgenommen hat. Von Musik wollte der Filius jedoch lange nichts wissen. Da half es anscheinend nicht mal, dass er in Nashville, Tennessee, heranwuchs, jener Stadt, die wie keine zweite in den USA für das Country-Erbe steht. „Außerdem ist Nashville aus geografischer Sicht ein Drecksloch“, hat er mal in einem Interview gesagt. Statt zur Musik verschlug es Rayland also in die Lacrosse-Mannschaft einer Universität. Doch dem Ruf des Blutes konnte sich selbst einer wie er nicht entziehen. Erst eine Reise nach Israel mit dem Vater, dann die Epiphanie. Irgendwann, da war er Ende 20, fing er tatsächlich an, Straßenmusik zu machen, entdeckte gleichzeitig sein Talent und das Ventil, das Musik sein kann.

Lastfreies Country-Vermächtnis

Mittlerweile dürfte sein Vater sehr zufrieden mit dem Werdegang des Sohnemanns sein. 2012 veröffentlichte er das heimelige Album „Feathers & Fishhooks“, da war aus dem jungen Mann längst ein Musiker mit eigener Stimme geworden. Seine Stücke sind leicht und nachdenklich, tragen das Country-Vermächtnis mit sich. Stets ohne Last allerdings, Baxter ist niemand, der sich irgendwelchen Traditionen verpflichtet sieht. Tennessee mit seinen Appalachen und dem mächtigen Mississippi prägen seine Stücke auch ohne das Zitieren großer Vorgänger.

Im Vorfeld der Veröffentlichung seines zweiten Albums „Imaginary Man“ hat das für ordentlich Wirbel und Vorfreude gesorgt. Baxter lässt das kalt. Er dreht lieber skurrile kleine Homevideos in seinem Hintergarten. Und covert auf seinem Gartenstuhl vielleicht mal wieder Bob Dylan. Ihm zu Ehren, gibt er sogar offen zu, interpretiert er „To Romana“ auch schon mal auf der Bühne.

Künstlerbild Rayland Baxter credit OneBeatDigital

Zur Rayland Baxter Seite auf artistxite – Foto (c) OneBeatDigital

Veredelt vom alten Herrn

Das Schöne an „Imaginary Man“: Es ist ein Album, das nicht nur sein beachtliches Talent als narrativen Country-Songwriter in der Tradition eines Townes Van Zandt aufzeigt. Es scheint auch das endgültige Bindeglied zwischen ihm und seiner Hassliebe Nashville zu sein. Immerhin hat er das Album in ebendieser Stadt aufgenommen – und sogar seinen Vater gebeten, seine weltberühmten Pedal-Steel-Gitarrenkünste darauf hören zu lassen. Das ließ sich der alte Herr natürlich nicht zweimal sagen und veredelt das Werk mit seinen bittersüß verhallenden Anschlägen. Genau das Richtige für die neuen Songs. Die zeigen nämlich einen Rayland Baxter, der nach langen Reisen angekommen ist. Und wenn nicht für immer, dann doch zumindest für einen ausgedehnten Zwischenstopp.

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