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Chemical Brothers: Die Electro-Revoluzzer

Die Vertreter des Big Beat sind zurück

Was vor 25 Jahren als Underground-Flächenbrand begann, schlägt auch 2015 noch meterhohe Flammen in der globalen Electro-Welt. The Chemical Brothers weichen keinen Deut von ihrer kompromisslosen Vision ab.

Kaum auszudenken, wie es ohne dieses Projekt um die gegenwärtige Electro-Szene bestellt wäre. Was passiert wäre, wenn Tom Rowlands und Ed Simons in den frühen 90ern nicht aufeinandergetroffen wären. Es hätte The Chemical Brothers nie gegeben. Es hätte die Big-Beat-Revolution nie gegeben. Es hätte essenzielle Tracks wie „Galvanize“ oder „Block Rockin‘ Beats“ nie gegeben. Um es kurz zu machen: Der tanzhungrigen Club-Crowd wären einige der besten, wichtigsten und massivsten Electro-Stücke überhaupt durch die Lappen gegangen, und das von einem der visionärsten und kreativsten Projekte schlechthin. Kam ja glücklicherweise anders.

Der Beginn der Big-Beat-Bewegung

Kurzer Rückblick: London in den frühen Neunzigern, ein dubioser Club namens Naked Under Leather, angesiedelt im Hinterraum eines verrauchten Pubs. Von den Chemical Brothers fehlte damals noch jede Spur, angelehnt an die legendären Beastie-Boys-Kollaborateure nannte sich das Duo Dust Brothers, haute tanzbare Tracks zwischen HipHop, House und Electro raus. Dann erschien 1993 aus dem Nichts die Nummer „Chemical Beats“. Danach war nichts mehr wie zuvor. Ohne es zu wissen, bereiteten Tom Rowlands and Ed Simons der Big-Beat-Bewegung den Weg, jener massiven, basslastigen Spielweise, die später auch The Prodigy für sich zu nutzen wussten.

Todsicherer Hype

Mit wachsendem Erfolg meldeten sich irgendwann natürlich die echten Dust Brothers aus Amerika zu Wort. Die Engländer mussten den Namen abgeben, benannten sich im Gedenken an ihren ersten Hit kurzerhand in The Chemical Brothers um – und eroberten binnen kürzester Zeit die Electro-Welt. Was aus England in die Clubs wehte, war zu dieser Zeit zwar immer angesagt und fast jedes Mal ein todsicherer Hype. Der Sound der Chemical Brothers klang aber dennoch wie nichts Anderes. Noel Gallagher von Oasis outete sich als großer Fan, ließ das Duo mit ihm auftreten und war sogar im Track „Setting Sun“ als Gastsänger vertreten.

„Galvanize“

Immer schon viel mehr als ein reiner DJ- oder Club-Act mit Einflüssen aus Weltmusik, Funk, Pop, Indie oder Rock, ging es den Chemical Brothers auf Alben wie „Surrender“ oder „Come With Us“ um das Erschaffen von eigenen elektronischen Welten, die nicht nur auf der Tanzfläche funktionieren. 2002 kam dann aber eh alles anders: Das fünfte Album „Push The Button“ wurde von einem Song mit dem vielversprechenden Titel „Galvanize“ eröffnet. Und danach war nichts mehr wie zuvor. Der Song wurde überall rauf- und runtergespielt, war in Videospielen ebenso zu hören wie bei Olympia 2012 in London.

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Die Odyssee geht weiter

Weiter und weiter ging es für das unzertrennliche Duo, 2012 bewies es eindrucksvoll, dass Electro-Acts auch einfühlsame Soundtracks („Hanna“) schreiben können. Für 2015 darf man also ein weiteres Mal gespannt wie ein Sonnensegel sein, was uns diesmal von Englands Electro-Visionären bevorsteht. Nach fünf Jahren Stille geht die Odyssee mit „Born In The Echoes“ endlich weiter – diesmal unter anderen mit Beck als Gastsänger. Die Brüder werden schon wissen, was sie tun. Das ist schließlich seit fünfundzwanzig Jahren so.

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