Muse (c) Rovi

Muse: Rock-Giganten mit Tiefgang

Der magische Dreier aus Devon

Muse waren immer schon eine Klasse für sich und gelten nicht umsonst als eine der wichtigsten Rock-Bands unserer Zeit. Mit „Drones“ brechen sie in eine düstere, neue Ära auf.

Was es auch ist – Muse haben es schon gemacht. Orchestrale Elemente, elektronische Sequenzen, schier größenwahnsinnige und unvergessliche Live-Shows oder Konzertfilme in 4K-Auflösung kamen bei dieser Band immer früher als bei den anderen, wurden kunstvoll, organisch und schlichtweg perfekt in den ureigenen Rock-Sound eingefügt. Das führte dazu, dass Muse schon mit ihrem Debüt „Showbiz“ völlig überraschend einen selten erlebten Durchmarsch hinlegten. Man staunte über die Sicherheit, mit der diese drei jungen Herren aus dem englischen Devon große Rock-Songs voller Epik, grenzenloser Weite und Leidenschaft schrieben, man war versucht, von den neuen Queen zu sprechen, von einer der hoffnungsvollsten Newcomern des Landes.

Schroffer und intensiver Sound

Schon beim zweiten Album „Origin Of Symmetry“ musste man das korrigieren – und zwar nach ganz weit oben! Mit Matthew Bellamys charakteristisch-hohem Gesang, verfremdeter Orgel, jeder Menge Klangexperimente, schroffem und intensivem Sound sowie einem abermals gesteigerten Gespür für ikonische Hits gelang Muse der Sprung an die Spitze. Das hier war keine alltägliche Rock-Band, es war eine progressive, verspielte, anspruchsvolle, spacige, zeitgeistige Formation, die weltweit auf den Thron gehörte. Das sah die Band wohl ähnlich. Ein verschworenes Trio, das sich bis heute wenig reinreden lässt, immer schon nach dem großen Ganzen, einem bombastischen Gesamtwerk strebte und ganz genau wusste, was es will.

Ein Stück englischer Musikgeschichte

Ihre Live-Auftritte wurden schnell ebenso legendär wie ihre visionäre Herangehensweise an moderne Rock-Musik. Mit „Hullabaloo“ veröffentlichten Muse bereits 2002 ihr erstes Konzertalbum, bis 2013 werden drei weitere folgen. Dabei fing der Dreier gerade erst an: Mit „Absolution“ machten Muse 2003 einen weiteren gewaltigen Satz und legten ein Werk vor, das von vorn bis hinten aus Hits bestand. Was sie auch anfassten, in ihren Händen wurde es zu etwas, das die Rock-Musik transzendierte und zu etwas anderem wurde. Zu einem Stück englischer Musikgeschichte, die sich nahtlos in die Großtaten dieses Landes einreiht. Sänger und Gitarrist Bellamy gilt schließlich nicht umsonst als Jimi Hendrix seiner Generation, seine Band nicht ohne Grund zu den wichtigsten und besten ihrer Zeit.

Der trockene Sound der Anfangstage

Wie es sich für eine Band von Weltrang gehört, waren Muse nie Duckmäuser oder meinungslose Stars. Oft und gern politisch und sozialkritisch, befassten sie sich in der Vergangenheit mit Korruption und Überwachung, greifen auch auf ihrem völlig zu Recht mit Hochspannung erwartetem neuen Album „Drones“ ein dringliches Thema auf: der Verlust der Empathie und des Mitgefühls durch die Dominanz der Maschinen und moderner Technologien. Dabei ist es doch Bands wie Muse zu verdanken, dass sich die Menschheit nicht in die titelgebenden Dronen verwandelt, sondern weiterhin aus denkenden, fühlenden und mitfiebernden Wesen besteht! Nach diversen elektronischen und orchestralen Exkursen regiert auf „Drones“ nämlich wieder der knackige, verzerrte, trockene Rock-Sound der Anfangstage. Und wer dabei nichts fühlt, der wird es nie tun.

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