MIA (c) H. Flug

MIA: Mieze und die Mode

Provokant und viel diskutiert

Geliebt, gehasst, aber nicht egal: Zu MIA hat eigentlich jeder eine Meinung.

Im Hamburger Schanzenviertel gibt es eine Bankfiliale, in deren Vorraum man auch außerhalb der Öffnungszeiten Bargeld am Automaten ziehen kann. In der Vergangenheit machten es sich hier gerne Obdachlose bequem. Dies versucht die Bank jetzt zu unterbinden und greift dabei zu musikalischen Mitteln, um ungebetene Gäste zu vertreiben: Die Klassikversion des MIA-Hits „Hungriges Herz“ läuft dort in Dauerschleife, rund um die Uhr. Die Frage, die sich eine Band in so einem Moment stellen muss: Haben wir es jetzt geschafft – oder sind wir künstlerisch endgültig bankrott beziehungsweise in diesem Fall: bank-rott? Nicht zum ersten Mal sind in der turbulenten Karriere der Berliner Band grundsätzlich beide Antworten möglich.

„Was es ist“ schlug hohe Wellen

Es waren meistens keine kompletten Alben, mit denen MIA bundesweite Schlagzeilen machten, sondern einzelne Songs – die aber machten dann eine richtige Welle. Zum ersten Mal erregte Sängerin Mieze Katz mit ihren Männern Aufsehen, als sie 2003 die Single „Was es ist“ im Rahmen eines Kunstprojektes veröffentlichten. Der Song thematisierte einen entspannten Umgang mit deutscher Herkunft – und brachte die politisch Linken, die MIA grundsätzlich wohlgesonnen sind, heftig gegen die Band auf, die sich gegen die nationalistischen Vorwürfe entschieden wehrte. Zwei Jahre später hatte sich der Rauch verzogen, und das ZDF machte „Was es ist“ zur Titelmelodie seiner erfolgreichen Doku-Reihe „37 Grad“. Und 2006 feierte plötzlich die ganze Nation bei der Fußball-WM den „entspannten Umgang“ mit den deutschen Farben.

Drei Alben in den Top 10

In der Zwischenzeit hatten MIA zwei weitere kleine Deutschpop-Klassiker vorgelegt: besagtes „Hungriges Herz“ und „Tanz der Moleküle“, bis heute ein Dauerbrenner in der Indie-Disco. Auf Albumlänge fällt es der Band dagegen fast schon traditionell schwer, ihr durchaus bemerkenswertes Talent zur anspruchsvollen Catchyness durchzuhalten – auch wenn es die letzten drei Platten „Zirkus“ (2006), „Willkommen im Club“ (2008) und „Tacheles“ (2012) jeweils bis in die Top 10 der deutschen und österreichischen Album-Charts schafften.

Endlich bei sich selbst

Drei Jahre nach dem letzten Album „Tacheles“ folgt jetzt der nächste Versuch: „Biste Mode“ klingt als Aussage wie ein Gegenentwurf zu den 15 Songs, die stilistisch deutlich in das musikalische Frühwerk der Band zurückreichen – und noch weiter hinaus bis in die Electro-Sounds der 90er. Das funktioniert in einzelnen Songs wie dem Opener und der ersten Single „Lauffeuer“ oder Stücken wie „United States Of Ich Und Du““tatsächlich besser als je zuvor in MIAs Diskografie. Die Band, die laut Plattenfirmen-Info „ihre Spuren vom Fusion-Festival bis in den TV-Mainstream“ hinterlassen hat, scheint mit „Biste Mode“ endlich zu sich selbst zu finden – und kombiniert die Erfahrung von anderthalb Jahrzehnten Karriere mit der gut konservierten Frische des Frühwerks.

Weitere Hintergrund-Stories