Future Brown [c] Rovi

Future Brown – „Future Brown“ – ByteFM Empfehlung

Die Supergroup um die Sängerin und Künstlerin Al Qadiri gibt ein aufregendes Versprechen auf die Zukunft ab.

„Vier Künstler, die Elemente aus R&B, elektronischem Dancefloor und dem Datenrauschen von transatlantischem Skype-Konferenzen zu einem höllisch starken Klangcocktail mischen“, schreibt eine deutsche Tageszeitung über das gleichnamige Debüt der Band Future Brown. Die knackige Kurzbeschreibung zwischen redaktionellem Zeitdruck und PR-Sound klingt ganz geil, fasst den Gegenstand aber nicht wirklich. Denn Future Brown machen weder R&B noch „elektronischen Dancefloor“, sondern, und damit betritt auch der Rezensent mangels besserer Alternativen den Ring der musikjournalistischen Floskelschlacht: eine Mischung aus zeitgenössischem HipHop, domestiziertem Grime mit Trap-Anleihen, die dem stets mitswingendem Dancehall die Basslines geklaut haben. Bleibt nur noch das „Datenrauschen von transatlantischen Skype-Konferenzen“ – eine Beschreibung, die hingegen ziemlich treffend ist.

Future Brown sind ein international agierendes Produzentenkollektiv, bestehend aus der in Kuwait geborenen Fatima Al Qadiri, die heute in Brooklyn lebt, Asma Maroof und Daniel Pineda aus Los Angeles, sonst aktiv als Nguzunguzu, sowie dem New Yorker Produzenten und Lit City Trax-Chef Jamie Imanian-Friedman. Während die Sängerin und Künstlerin Al Qadiri mit ihrem Album „Asiatisch“ vergangenes Jahr ein Coup in Sachen ironisch-tanzbarer Gesellschaftskritik landete und sich Nguzunguzu quer durch die globale Clubmusiklandschaft bassen, pflegt Imanian-Friedman die blühenden Footwork- und Ghetto House-Gärten der US-amerikanischen Ostküste.

Reduziert auf den gemeinsamen Nenner

Auf dem Debütalbum versammelt das stets slick gekleidete Quartett 13 Tracks mit unterschiedlichen Gast-SängerInnen und -RapperInnen. Das ist rein logistisch schon mal eine Leistung. Musikalisch scheint im allgegenwärtigen Datenrauschen zwischen New York, Berlin, London und Los Angeles allerdings die stilistische Bandbreite zugunsten eines kleinen gemeinsamen Nenners zurückgetreten zu sein. Da rappt und sprechsingt der Londoner Riko Dan seine Wortsalven über einen abgehackten Grimebeat, da quäken sich Shawnna und DJ Victoriouz („Talkin Bandz“) oder Sicko Mobb („Big Homie“) vocodernd durch hiphoppige Beats mit dick aufgetragenen Synthie-Chören, da bitcht und pussypowert sich die 19-jährige US-Rapperin Tink virtuos über nervöse Hi-Hats.

Insgesamt finden aber viele Tracks in ähnlichem Klang zusammen, der auch von den üblichen Stereotypen des zeitgenössischen HipHops nicht frei ist: unbescheidene, stets zur Tonika drängende Synthesizer-Melodien, sakrale entmenschlichte Chöre, zwischen Welt-Wut und Liebeskummer zerrissene Frauen und Männer, für die das Private dann doch nie politisch genug ist, und tiefe Drumcomputer-Bassdrums.

Die Zukunft hat Potential

„Future Brown“ ist gut produziert, kratzt aber stets nur die Oberfläche der popkulturellen Zukunft – gerade angesichts des feuilletonistischen Hypes (The Guardian, taz, Der Freitag), der ohne die Popularität der Soloprojekte der Bandmitglieder wohl ausgeblieben wäre. Dennoch zeigen zwei Highlights wie das angriffslustige „No Apology“, sowie der zugleich cheesigste und experimentellste Track „Danger Soul“ mit Kelela und Ian Isiah, wie das zukünftige Brown mal klingen könnte: laut, gebrochen, sehnsüchtig, digital, subtil. Die Zukunft, sie hat Potenzial.

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