Noel Gallaghers High Flying Birds [c] Lawrence_Watson

Noel Gallagher: Der Oasis-Rüpel ist erwachsen geworden

Die Zeiten der Skandale scheinen endgültig hinter ihm zu liegen.

Mit „Chasing Yesterday“ konzentriert sich Noel Gallagher lieber auf monumentale englische Rock-Musik.

Er war die prägende Figur des Britpop: Als Hauptkomponist der unerreichten Oasis spielte er sich in den 90ern über Nacht in den Olymp, machte sich zur unsterblichen Figur der Musikgeschichte. Über 50 Millionen Tonträger konnten Oasis in knapp 15 Jahren absetzen. Ähnlich legendär waren Gallaghers exzessive Ausschweifungen (einen Fuhrpark voller Luxusautos, obwohl er nicht mal einen Führerschein saß beispielsweise), die bisweilen heftigen Streitereien mit dem jüngeren Bruder und Oasis-Sänger Liam, seine große Klappe in politischen oder narkotischen Angelegenheiten. Das alles ist zwar vorbei, aber nicht unbedingt das, was man als ferne Vergangenheit bezeichnet. So steckt die Solokarriere des 47-jährigen Briten aus Manchester eigentlich noch in ihren Kinderschuhen – und führte doch schon mit dem Debüt seiner neuen Band Noel Gallagher’s High Flying Birds zu einem großartigen Auftakt.

Prominente Unterstützung

Songs schreiben kann er eben wie kaum ein anderer. Das wusste er bei Oasis, das machte die Band schon mit ihrem Debüt „Definitely Maybe“ zur größten englischen Musiksensation seit den Beatles. Und das weiß er auch heute. Mit seinen High Flying Birds beweist er das jetzt schon zum zweiten Mal – auf „Chasing Yesterday“, einem Album, das konträr zu seinem nostalgischen Titel keine bloße Vergangenheitsbeschau glorreicher Tage ist. Obwohl es natürlich viel aufzuarbeiten gibt seit seinem Ausstieg bei Oasis 2009, geht Gallagher lieber noch weiter zurück, direkt hinein in seine musikalische Sozialisierung. Wie bei jedem ordentlich geschulten Briten, nahmen hier The Smiths eine der tragenden Rollen ein. In „Ballad Of The Mighty I“, dem epischen Grande Finale des neuen Albums, ist deswegen deren Gitarrist Johnny Marr mit seinem unverwechselbaren Spiel zu hören. „Ich hatte ihm mir schon als Gast auf meinem ersten Album gewünscht, doch das klappte nicht“, bemerkt Gallagher dazu. Diesmal war ihm das Glück hold. „Johnny kam eines Tages mit zwei Gitarren und ein paar Effektpedalen zu mir uns Studio. Was er dann gemacht hat, war unglaublich. Er hat uns glatt an die Wand gespielt.“ Das, so ist sich Gallagher sicher, machte einen seiner besten Songs noch besser.

Songs schreiben kann er eben wie kaum ein anderer.

Übrigens ist das nicht die einzige Überraschung auf „Chasing Yesterday“. Mit seinen dezenten Glocken und dem monotonen Beat bekommt „In The Heat Of The Moment“ eine geradezu psychedelische Aura, auch in vielen weiteren Stücken des Albums sind Zitate der 60er und 70er vergraben. Etwas anderes ist von Gallagher aber sowieso nicht zu erwarten. Seine Vorliebe für die Beatles war schon bei Oasis unüberhörbar, losgelöst von seiner Band würdigt er seine größten Einflüsse mit einem reifen, einem großen und wunderbar vielschichtigen Album, das auch ohne seine Vergangenheit all die Aufmerksamkeit verdient, die es bekommt. Endlich kann Noel Gallagher zeigen, was für ein grandioser Komponist er ist. Das sollte genügen, damit er sich endgültig vom Oasis-Schatten befreien kann. Und dann vielleicht doch noch mal den einen oder anderen Auftritt mit seiner alten Band in Erwägung zieht.

Hier findet ihr das Album auf artistxite.de:

Chasing Yesterday - Noel Gallaghers High Flying Birds (c) 7 Digital

Chasing Yesterday im artistxite Shop

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