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Welcher Bart bist Du?

Musiker lieben Bärte. Doch wen wollen sie damit eigentlich bezirzen?

Unsere Kolumnistin hat die zwei beliebtesten Modelle der Gesichtsbewaldung identifiziert. Mit schwankender Begeisterung.

Liebe Leser, heute möchte ich mich einem Thema widmen, dem ich nicht entkommen kann: dem Bart.

Die Bart Varianten

Jeder, der wie ich den Musikmarkt nach hörenswerten Alben absucht, kennt Bart-Typ Nr. 1, den Hipster. Pop-Liebling Ed Sheeran trug ihn bei den Grammy Awards, einen wie nebenbei mitgesprossenen Vollbart, passend zur Wuschel-Pilz-Frisur. Auch Rapper Kanye West setzt auf diesen unauffälligen Bewaldungs-Typ – rund um den Mund akkurat gestutzt (und entsprechend kratzig). Das Hipster-Bärtchen gehört zum perfekten Look, geht aber in diesem visuell unter, es sei denn man ist die Frau, deren Wange regelmäßig damit wundgeschrubbt wird.

Doch ich – und ja, ich möchte jetzt bitte Mitleid!- kann auch den übrigen Bart-Varianten nicht enfliehen, denn ich bin auf Folk- und Country-Musik spezialisiert. Dort ist Typ 2, der Rauschebart, allgegenwärtig. Nahezu alle meine Helden tragen ihn, die britischen Stars Mumford & Sons und der ultracoole Folk-Poet John Grant.

Für die Stelle der Mrs. Right würde ich mich bewerben, suchte ich beim Ablick seines Gesichtsgebüschs nicht immer gleich nach einem Vögelchen zum drin Nisten.

Sogar ein so bildhübsches Kerlchen wie Father John Misty. Mit engelsgleicher Stimme räkelt er sich im Designeranzug auf David Lettermans Show-Piano und präsentiert sein wahnsinniges und witziges neues Album „I Love You, Honeybear“. Schöne Seitenhiebe auf Bruce Springsteen und den amerikanischen Traum, dazu die Suche nach Mrs. Right, für die ich mich ja bewerben würde, suchte ich beim Anblick seines Gesichtsgebüschs nicht immer gleich nach einem Vögelchen zum drin Nisten. Täglich ein paar Würmer, lieber Waldschrat, dann hat der Bart auch endlich einen Sinn.

And the Winner is …

Country-Rebell Steve Earle denkt über eine Zweitverwertung leider auch wenig nach, bezirzte er mit seinem an Stahlwolle erinnernden Kinnwuchs doch bislang sieben (!) Ehefrauen. Sollte er darin nachlassen, hilft sein ebenso wahnsinniges wie fröhliches Blues-Album „Terraplane“ sicherlich wieder bei der Damenwahl.

Da möchte ich mich spontan nur noch an José González schmiegen. Der beliebte Singer-Songwriter und Junip-Sänger hat nicht nur mit „Vestiges & Claws“ unser Album der Woche kreiert, er hat seinen Typ-2-Bart auch auf eine weiche, appetitliche Länge getrimmt – zum Kuscheln, nicht zum Nisten.

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