Dan Deacon [c] Josh Sisk

Dan Deacon: Ein Mann vom Fach

Ob klassische Musik oder Electropop – Dan Deacon brilliert durch gekonntes Handwerk und kreativen Freigeist. Auf seinem neuen Album „Gliss Riffer“ scheint er die Dinge wieder in ihrer simplen Schönheit erstrahlen lassen zu wollen.

Wenn man Dan Deacon schlicht als Produzenten bezeichnet, wird dieser Begriff schlagartig sehr schmeichelhaft für zahlreiche Kollegen seiner Zunft. Denn der Musiker aus Baltimore ist so viel mehr als nur ein Produzent. Er ist Multiinstrumentalist, Komponist, Elektroakustiker und ein Vordenker im Grenzbereich akustischer und visueller Kunst. So vielseitig, wie das jetzt klingen mag, ist es tatsächlich auch.

Schon in seiner Ausbildung schuf sich Daniel Deacon ein solides musikalisches Fundament. Er wurde am Konservatorium der State University New York ausgebildet und machte seinen Abschluss in Komposition und Elektroakustik. Die begabten Musiker Joel Thome and Dary John Mizelle zeichneten verantwortlich für Deacons Ausbildung, was seinen Stil aus handwerklich ausgezeichneter Komposition und Freigeistigkeit wohl maßgeblich geprägt haben muss.

Nach Experimenten in diversen Musikstilen fand der heute 33-Jährige in der elektronischen Musik genau den richtigen Spielplatz, um seine Fähigkeiten und Ideen gezielt unterbringen zu können. Deacon ist ein Meister der Soundcollagen, was ihm 2007 mit seinem Album „Spiderman Of The Rings“ erstmals zu Ruhm gereichte. Pitchfork wurde auf den gebürtigen New Yorker aufmerksam und konnte seitdem nicht genug von den musikalischen Spielereien Deacons bekommen. Vor allem der Nachfolger „Bromst“ und auch das 2012er „America“ bestätigten Deacons Talent und befeuerten diese Verzückung immer wieder.

Deacon geht nicht nur in seiner Musik auf, sondern auch im kollektiven Erlebnis mit den Massen.

Wer jetzt einen verschrobenen Frickler fernab der Realität vor Augen hat, trifft den Nagel nur teilweise auf den Kopf. Ein Klangnerd ist Deacon ohne Frage, doch eine Scheu vor öffentlichen Auftritten hegt er so gar nicht. Bei seinen Shows packt er sein üppiges Equipment einfach auf einen niedrigen Tisch, stellt ihn inmitten der Zuschauer auf und legt los. Alle sind eingeladen, bei diesem großen Rausch mitzumachen, und er liefert den Stoff aus dem Auge des Orkans. Deacon geht nicht nur in seiner Musik auf, sondern auch im kollektiven Erlebnis mit den Massen.

Doch der US-Amerikaner hat auch andere, ruhigere Seiten. Diese lebt er mit seinen klassischen Kompositionskünsten aus. Zeitgenössische klassische Musik und Filmmusik haben es ihm dabei besonders angetan. Seit 2011 widmet sich Deacon vermehrt der Arbeit mit dem Percussion-Quartett So Percussion, mit dem er Werke unter dem Titel „Ghostbuster Cook: Origin of the Riddler“ gleich mehrfach und mit begeisterter Resonanz aufführte. Der Regissuer Francis Ford Coppola bat Deacon, die musikalische Leitung für seinen Horror-Film „Twixt“ zu übernehmen, der 2011 mit Val Kilmer und Elle Fanning in den Hauptrollen erschien.

Der Indiemusik abgeschworen hat der Mann , der jetzt im US-Bundesstaat Maryland lebt, jedoch noch lange nicht. Obwohl er sich rar gemacht hatte und sein letztes Album „America“ schon etwas zurückliegt, ist mit Deacon immer zu rechnen. Im Dezember erschien mit „Feel The Lightning“ eine neue Single, die als Vorbote für sein neues Album „Gliss Riffer“ dient. Sofort holt Deacons computerverzerrte Stimme die Magie zurück, die man zu lange vermisst hat. Die Synthies vibrieren und werden von einer hellen Frauenstimme gekontert. Die – verzerrte – Frauenstimme ist Deacon selbst. Auch das lässt er sich nicht nehmen.

„Feel The Lightning“ setzt auf eine simple, atmosphärische Schönheit. Anscheinend hat der Tausendsassa sich in zahlreichen Projekten genug ausgetobt, um mit einem reduzierten, weniger aufwendigen Stil ein wenig Ruhe einkehren zu lassen. Eine Rückkehr zu seinen ersten erfolgreichen Alben, die Deacon sehr gut zu Gesicht steht.

Hier findet ihr das Album auf artistxite.de

Dan Deacon - Gliss Riffer (c) Rovi

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