Stars (c) Emily Wilson

Stars: Ein neuer Sarkasmus – Interview

Mit ihrem aktuellen Album „No One Is Lost“ hat sich die kanadische Indiepop-Band Stars weit von ihrem Image als – wenn auch nie unkritische – Lebensbejaher entfernt. „No One Is Lost“ ist weniger tröstend als sarkastisch gemeint. Die gute Laune haben sie dennoch nicht verloren, wie die Sängerin Amy Millan im Interview beweist. Kurz vor ihrem Konzert im Hamburg war sie zusammen mit dem neuen Gitarristen Christopher McCarron zu Besuch im Hamburger ByteFM-Studio.

Stars (c) Rovi

Stars (c) Rovi

ByteFM: Im Video zu eurem Song „From The Night“ feiern alle Bandmitglieder die ganze Nacht durch. Wie kam es dazu?

Amy: Ich muss dir was verraten: Wir können gar nicht mehr wirklich die ganze Nacht durchfeiern, weil wir dafür eigentlich alle zu alt sind. Deshalb mussten wir beim Dreh tricksen: Bei der Szene auf der Dachterrasse haben wir nur so getan, als würde die Sonne aufgehen.  Denn eigentlich war es mitten am Tag.

ByteFM: Amy, du bist Mutter und ich habe mich gefragt, wie oft ihr als Band unterwegs seid.

Amy: Manchmal hilft mir meine Mutter, wenn ich mit meinem Ehemann auf Tour bin. Was ich sehr interessant finde, ist, dass sich meine Tochter immer noch in der kanadischen Zeit befindet. Wir sind jetzt seit neun Tagen hier und fliegen in fünf Tagen wieder zurück.

ByteFM: Du nimmst deine Tochter also mit?

Amy: Mein Ehemann ist ja ein Band-Mitglied. Er spielt Bass und ist der schönste von allen. Und wir sind ihre Eltern, also nehmen wir sie mit. Und sie hat eine fabelhafte Zeit. Sie wird im März vier Jahre alt und ist schon zum zweiten Mal in Deutschland. Sie ist mindestens schon 40-mal geflogen und hat schon die halbe Welt gesehen.

ByteFM: Euer Album „No One Is Lost“ wurde über einem Club aufgenommen.

Amy: Ja, es war für lange Zeit unser Proberaum und ein Freund von uns hat es in ein Studio umgebaut.

ByteFM: Kannst du beschreiben, wie es dort so zugeht?

Amy: Also diese Sounds zu Beginn von „From The Night“ stammen alle von Aufnahmen aus dem Club. Sogar der Drumbeat stammt von einer Aufnahme aus dem Club, der zufällig zum Rhythmus des Songs passte. Der Club hat unsere Aufnahme sehr beeinflusst, denn wir konnten nicht aufhören, wenn er aufmachte.

Wir waren nie wirklich eine coole Band

ByteFM: Der Club war also eine große Inspiration.

Amy: Ja, und was wirklich merkwürdig ist: Der Club hat genau an dem Tag geschlossen, an dem wir unser Album veröffentlicht haben. Der neue Club heißt jetzt Pingpong, also wird das neue Album wohl ziemlich schnell werden.

ByteFM: Der Song „This Is The Last Time“ wurde von euch live im Studio gespielt.

Amy: Lass mich kurz erzählen, was diesen Song so besonders macht. Ich muss ja vorwiegend tagsüber arbeiten, also wenn meine Tochter in der Schule ist – und die anderen haben sie dann nachts aufgenommen. Als ich den Song schrieb, schaute ich aus dem Fenster, wo sich eine Bushaltestelle befindet. Und das Bild von den dort wartenden Menschen war die Inspiration für den Song.

No One Is Lost - Stars (c) 7 Digital

No One Is Lost (c) 7 Digital

ByteFM: Den Titel eures aktuellen Albums verstehe ich auf zwei Arten. Er sagt einerseits, dass niemand verloren ist, aber auch, dass wir eigentlich immer alle verloren sind.  Denkst du, dass dieses Ausgehen in der Nacht immer auch etwas Hilfloses ist?

Amy: Ich denke nicht, dass es hilflos ist, ich denke, es ist eher eine Möglichkeit, zu akzeptieren, dass wir nicht alles ändern können. Weißt du, wir waren nie wirklich eine coole Band.  Und wenn man cool ist, wirkt man oft wie eingefroren und man fühlt nicht wirklich die Dinge, die um einen herum passieren. Und so sind wir, aber auch unsere Fans, einfach nicht. Wir stehen für das Leichtfüßige und wir wissen, dass wir alle sterben werden. Also sollten wir alle eine gute Zeit haben, selbst wenn wir traurig sind.

ByteFM: Euch gibt es jetzt schon seit 14 Jahren. Was ist das Wichtigste, das ihr gelernt habt?

Amy: Nach einer so langen Zeit mit denselben Leuten ist es sehr wichtig, zu vergeben. Wenn jemand nervt, musst du dir immer darüber bewusst sein, dass du womöglich auch nerven kannst. Was auch wichtig ist, ist zu teilen.

Noch mehr über kanadische Musik und Bands könnt ihr in unserem Special Musik aus Kanada lesen.

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