Enter Shikari (c) Sam Neill

Enter Shikari: Immer eine Idee voraus

Von ihrem elektronisch unterfütterten Metalcore ist bei Englands Enter Shikari nicht mehr viel übrig. Dafür empfehlen sie sich auf The Mindsweep als wichtige Hoffnung moderner Rock-Musik.

Der Thron ist immer noch vakant. Zwar rühren sich System Of A Down derzeit wieder, deuten eventuell sogar ein neues Album an. Bis es jedoch so weit ist, muss jemand anderes die Rolle des großen Rock-Ideengebers, des visionären Fortschrittsenthusiasten übernehmen. Auftritt Enter Shikari.

Enter Shikari - The Mindsweep (c) 7 Digital

The Mindsweep (c) 7 Digital

Drei Alben haben sie bislang veröffentlicht und sich seit 2003 Schritt für Schritt weg von ihrem an sich schon beeindruckenden Trancecore-Brett entwickelt. „The Mindsweep“ ist das vierte Album. Ein Album, das den Hörer schwindelig spielt. Das aus vollen Rohren mit großen Refrains um sich feuert. Das in Sachen Harmonien, Arrangements und Vielschichtigkeit eine Benchmark im Musikjahr 2015 setzen wird.

Klar ist: alle mögen das nicht. Dem Metalcore-Verfechter sind Enter Shikari längst zu rockig, stellenweise gar zu poppig. Dem Fan zahmer Rock-Klänge allerdings bei weitem zu wild, zu stürmisch, zu übersprudelnd vor Einfällen. Alle, die in den frühen Korn, System of A Down und, in Bezug auf Dramatik und Opulenz, Queen Legenden ihrer Zunft sehen, dürfte „The Mindsweep“ allerdings so sehr in die Karten spielen wie wenig anderes dieses Jahr.

Ein Album, das den Hörer schwindelig spielt.

Es ist wahrhaft erstaunlich, wie locker die Engländer musikalisch völlig unterschiedliche Welten in ihrem ureigenen Soundkosmos vereinen. Und so ganz nebenbei auch in Sachen Produktion neue Standards setzen: Keine Spur von typisch-drückender Produktionssterilität, „The Mindsweep“ setzt lieber organische, kratzende und feine Akzente. So sind sie eben, die Shikaris. Sie hatten noch nie Lust, irgendwas Standardisiertes zu machen. Sie wehrten sich schon gegen allzu rigide Metalcore-Regeln, als dieses Genre noch nicht mal richtig etabliert war.

Etwas anderes ist von einer Band, die sich nach einem Boot benannt hat, aber wohl kaum zu erwarten. Seit 2003 in derselben Besetzung unterwegs – auch das ein Novum in der heutigen Zeit – konnte sich in mehr als einer Dekade ein Sound entwickeln, der angenehmerweise mit nichts anderem zu vergleichen ist. Außer mit Enter Shikari selbst. Und diesem Alleinstellungsmerkmal fügt der Vierer mit diesem vierten Album ein weiteres großes Ausrufezeichen hinzu.

Enter Shikari - Take To The Skies (c) Rovi

Take To The Skies (c) Rovi

 

Es fühlt sich an wie damals, als die bis dato kaum bekannte Band „Take To The Skies“ veröffentlichte, damit gleich auf Anhieb in die Top 5 der englischen Charts kam und in der Folge auf so ziemlich jedem großen Festival des Landes vertreten war. Echte Helden also. Das sah man auch bei den Kerrang! Awards so, die Sänger Rou Reynolds zum „Helden des Jahres“ kürten. Wir sagen: völlig verdient! Mehr Bands wie Enter Shikari – und die langfristige Zukunft der Rock-Musik ist gesichert.

HÖR DOCH MAL REIN!

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