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Der ByteFM-Jahresrückblick

Popmusik ist immer auch eine Möglichkeit, sich die Gegenwart auf alternative Weise anzueignen. 2014 war dies wohl attraktiver denn je. Denn vor allem in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht war es ein desaströses, ein trauriges, ein desillusionierendes Jahr. Ganz im Gegensatz zur Musik, wie die Liste der 25 meistgespielten Alben des Jahres auf ByteFM zeigt.

Selten wurden die Stile so unbeschwert kombiniert wie 2014. Die US-amerikanische Sängerin Neneh Cherry etwa meldete sich nach 18 Jahren Pause mit dem fulminanten Comeback-Album „Blank Project“ (Platz 5) zurück, auf dem sie eine radikal-reduzierte Mischung aus Soul, Noise, Rap und entschleunigter Clubmusik verarbeitet.

Für Juliane Reil, Moderatorin der Sendung ByteFM-Magazin, ist „Blank Project“ das Album des Jahres. Besonders beeindruckt ist sie vom Eröffnungstrack „Across The Water“, das mit der radikalen Reduktion auf Schlagzeug und Gesang eine Coolness ausstrahlt, der sie sich nicht widersetzen könne.

Apropos Widerstand: Mit den innovativen Soundentwürfen der Newcomerin Fatima Al Qadiri sorgte eine weitere Frau in der ersten Hälfte des Jahres für neue Impulse. Selten wurden kulturelle Signaturen so radikal unterwandert wie auf ihrem Debütalbum „Asiatisch“, das nichts weniger als eine „neue musikalische Zeichensprache“ erfand, wie ByteFM-Moderator Klaus Walter in der SPEX schrieb. „Asiatisch“ stelle Walter zufolge sämtliche ethnischen Zuschreibungen und vermeintliche Gewissheiten infrage und  „subvertiert unsere Bilder des Anderen, Fremden, in diesem Fall: des Asiatischen, genauer: China.“

Nicht weniger interessant und auf Platz 24 gelandet ist das neue Album „Lese Majesty“ des HipHop-Duos Shabazz Palaces. Für Dirk Böhme, den Moderator der Sendung „Verstärker“ ist es nichts weniger als eine „Weltraumoper“, eine „Sammlung verschachtelter Mythen und rätselhafter Reime“.

Sehr beliebt waren in diesem Jahr außerdem deutsche und vorwiegend deutschsprachige Bands. So landeten mit „Libertatia“ von Ja, Panik (Platz 1), „The Pink Caves“ von Fenster (Platz 9), „Im Sinne Der Zeit“ von Klaus Johann Grobe (Platz 10), Jens Friebes „Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen Aus“ (Platz 11) und The Notwist (Platz 4) gleich fünf deutsche Bands unter den ersten 15. Ein Livekonzert von letzterem begeisterte Eva Garthe, Moderatorin der Sendung „Let’s get lost“. Spästestens als ihr der Song „Casino“ des neuen Albums „Close To The Glass“, eine melancholische Geschichte über eine aussichtlose Liebesbeziehung, echte Tränen abverlangte, stand auch ihr Favorit des Jahres fest.

Ein weiteres Highlight ist das Debüt der 26-jährigen Engländerin FKA twigs. Mit ihrer Musik zwischen bombastischen Popmelodien („Two Weeks“, „Pendulum“), ausgefeilten Beatexperimenten („Hours“) und geisterhaft vernebelten Samples („Kicks“) schuf sie einen Sound, der genauso vertraut wie fremdartig erscheint – und damit genau das einlöst, was Pop seit jeher am besten kann, nämlich eine unmittelbare Gegenwart zu produzieren.

Die ByteFM Top 25 Alben des Jahres 2014

  1. Ja, Panik – Libertatia
  2. Caribou – Our Love
  3. Stephen Malkmus And The Jicks – Wig Out At Jagbags
  4. The Notwist – Close To The Glass
  5. Neneh Cherry – Blank Project
  6. Mac DeMarco – Salad Days
  7. Kate Tempest – Everybody Down
  8. Warpaint – Warpaint
  9. Fenster – The Pink Caves
  10. Klaus Johann Grobe – Im Sinne der Zeit
  11. Jens Friebe – Nackte Angst Zieh Dich An Wir Gehen Aus
  12. Jungle – Jungle
  13. Owen Pallett – In Conflict
  14. Timber Timbre – Hot Dreams
  15. Hundreds – Aftermath
  16. Future Islands – Singles
  17. Wild Beasts – Present Tense
  18. Little Dragon – Nabuma Rubberband
  19. The Acid – Liminal
  20. Die Sterne – Flucht In Die Flucht
  21. She Keeps Bees – Eight Houses
  22. The War On Drugs – Lost In The Dream
  23. Trümmer – Trümmer
  24. Shabazz Palaces – Lese Majesty
  25. Angel Olsen – Burn Your Fire For No Witness

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