The Smashing Pumpkins (c) Rovi

Smashing Pumpkins: Farbwechsel bei den Rock-Chamäleons

Auf eines ist bei Chicagos ikonischster Alternative-Rock-Gruppe schon immer Verlass gewesen: Nichts bleibt für die Ewigkeit. Nach musikalischen Experimenten melden sie sich mit einem zerbrechlichen, aber deswegen nicht weniger kraftvollen Rock-Album zurück. Wir werfen einen Blick zurück – und einen nach vorn.

Billy Corgan weiß, wie man sich im Gespräch hält. Als Frontmann einer der einflussreichsten, erfolgreichsten und besten Alternative-Rock-Bands des Planeten hat er mehr miterlebt als die meisten anderen. Er war dabei, als die CD ihren Siegeszug antrat – und als sie von digitalen Medien in arge Bedrängnis gebracht wurde. Genau wie er in seiner intimen, zerbrechlichen und melancholischen Musik stets ein Suchender war, ein Reisender auf dem Weg zu sich selbst. So probierte er mit den Smashing Pumpkins auch alternative Vertriebsmöglichkeiten aus, verwirklichte sich mal in langen Songzyklen, mal rein digital und mal, ganz klassisch, in Albumform.

Jetzt, im ausgehenden Jahr 2014, hat sich der 47-jährige mit der unverkennbar ätherisch-sanften Stimme mal wieder zu einem herkömmlichen Album entschieden. Und äußerst gut daran getan: Er und seine Band präsentieren sich auf „Monuments To An Elegy“ abermals als die Alternative-Rock-Koryphäe, die sie sind, legen treibende, teilweise äußerst düstere, bewegende und stets nachdenkliche Songs vor, die sofort gefangen nehmen. „Ich beginne die Arbeiten an einem Album selten mit dem Gedanken, wie es sein sollte“, meint Corgan. „Die Songs verschmelzen irgendwann ineinander. Sie werden dadurch beeinflusst, was genau in diesem Moment passiert und was nicht.“ Ganz der Künstler also. Und noch dazu einer, der aus einem gewaltigen Fundus schöpfen kann. Ursprünglich sollte nämlich auch „Monuments To An Elegy“ ein Doppelalbum werden, über mangelndes Material musste sich der Glatzkopf noch nie beschweren.

Monuments to an Elegy - The Smashing Pumpkins (c) 7 Digital

Monuments to an Elegy (c) 7 Digital

Quantität mit Qualität zu verbinden, darin waren sie eben schon immer gut, die Kürbisköpfe. Auch für ihr neues Werk „Monuments To An Elegy“ schöpften sie aus über 80 Songideen, die Vielfalt und der Facettenreichtum der neuen Stücke war anscheinend also gewollt. Doch etwas anderes würde Corgan sowieso nie behaupten. Mit Bescheidenheit war der Künstler nie gesegnet, und das ist bei einer Karriere wie der seinen auch durchaus zu entschuldigen: 1993 veröffentlichen sie ihr Zweitwerk „Siamese Dream„. Und sorgen für eine Sensation: Aus Punk-Wurzeln, einem Faible für Dream-Pop, Shoegaze, Alternative und Grunge kreierte die Band einen Soundtrack für Wehmut und Melancholie, etabliert nach dem ebenfalls starken Debüt „Gish“ über Nacht ein eigenes Genre.

Kein Wunder, dass sich Corgan und Cobain anfangs als Konkurrenten sahen.

Die Band wird zum Auffangbecken für Teenager mit Existenzängsten – und das lange, bevor es den Begriff „Emo“ gab. Das nachfolgende „Mellon Collie And The Infinite Sadness„, ein Doppelalbum von elegischer Wucht, macht sie früh in ihrer Karriere zu Superstars, auch das nächste Werk „Adore“ festigt ihren Ruf als gedankenverlorene, von Zweifeln getriebene Rock-Band. Angeführt von Billy Corgan, der in seinen Texten stets nach Heilung, Katharsis und Erlösung suchte, wurden sie zum entrückten Heilsbringer einer ganzen Generation, zu einem essentiellen Fixpunkt, der in seiner Bedeutung nicht mal von Nirvana übertroffen wurde. Kein Wunder, dass sich Corgan und Cobain anfangs als Konkurrenten sahen – verstärkt durch Corgans Behauptung, die beiden seien die besten Songwriter ihrer Zeit gewesen.

Vor Schwierigkeiten bewahrte das die Band nicht. 2000 bis 2006 lagen die Pumpkins auf Eis, von der ursprünglichen Besetzung ist außer Corgan heute niemand mehr dabei. Das derzeitig wichtigste Mitglied, Jeff Schroeder, bedient neben Corgan seit 2007 die Gitarre. Mit Tommy Lee von Motley Crue ist seit dem neuen Album „Monuments To An Elegy“ außerdem ein neuer Schlagzeuger dabei. Das mag auf den ersten Blick nicht zur jenseitigen, in sich versunkenen Stimmung der Stücke passen, könnte aber eindeutig in die Zukunft deuten.

Mit „Day For Night“ hat der Mastermind bereits das nächste Album für 2015 angekündigt. Es soll den 2012 mit „Oceania“ begonnenen „Teargarden By Kaleidyscope“-Zyklus abschließen – und nach eigenen Aussagen Corgans ein Doom-Metal-Album werden. Doom Metal! Da kommt Tommy Lees rohe Trommelkunst sicherlich besonders gut zum Tragen. „Weniger glänzend, dafür persönlicher“, sind die bisherigen Worte des Bandchefs zu diesem Album. Und wie immer darf jeder Fan einzigartiger Alternative-Rock-Klänge gespannt erwarten, was genau das zu bedeuten hat. Denn sicher ist nur eins: Diese Band wird immer ihr eigenes Ding machen.

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