Slipknot – 5-gray-chapter (c) oktoberpromotion

Slipknot: Die laute Schattenseite Amerikas – Hintergrund

Nachschub aus der schwermetallischen Horrorwelt

Die hässliche Fratze des amerikanischen Traums ist zurück. Slipknot sind wieder aufgetaucht – und mit ihnen der böse Clown, der in unseren Alpträumen lauert. Fakt ist: Fieser, bedrohlicher und entschlossener als auf „5: The Gray Chapter“ klang diese Band noch nie.

Die Rückkehr seiner Band bezweifelte Corey Taylor nie: „Wir waren uns nur lange Zeit nicht sicher, wann und wie sie aussehen würde.“ Das wäre wohl niemand gewesen. Drummer Joey Jordison Ende 2013 mehr oder weniger unrühmlich entlassen, Bassist Paul Gray 2010 tragisch an einer Überdosis gestorben. Es stand ernst um die Band, Trauer und Desillusionierung hielten die martialischen Maskenmänner aus Iowa fest in ihrem eisernen Griff. Offiziell aufgelöst wurde die Band zwar nie, an ein Comeback glaubten dennoch nicht viele.

Slipknot (c) Dean Karr

Slipknot (c) Dean Karr

Bis die Band 2011, noch mit Jordison, wieder gemeinsam auf einer Bühne stand. „Der Auftritt fiel uns unglaublich schwer, doch unsere Fans trugen uns, halfen uns, wieder aufrecht zu gehen“, erinnert sich Taylor an den Schlüsselmoment in Athen. Danach gab es keinen Zweifel mehr daran, dass die Welt Nachschub aus der schwermetallischen Horrorwelt braucht. „Paul hätte es so gewollt“, gibt sich der Frontmann sicher. „Er hat diese Band über alles geliebt.“

Damit war der verstorbene Bassist nicht allein. Seit ihrem ebenso überraschenden wie triumphalen Einschlag in der Metal-Welt mit ihrem Debüt „Slipknot“ im Jahre 1999 rekrutierte die kompromisslose Formation auf der ganzen Welt Legionen von Fans. Ihr stählerner, moderner, albtraumhafter Metal revolutionierte das Genre im Alleingang. Kontroversen, Skandale und Anfeindungen scharten sich um die Band wie Krähen um ein Schlachtfeld, mit ihren grausamen und stetig wechselnden Masken hielten sie einer übersättigten, kommerzialisierten und egoistischen Gesellschaft den Spiegel vor.

Kontroversen, Skandale und Anfeindungen scharten sich um die Band wie Krähen um ein Schlachtfeld.

Das war 1999 ebenso nötig wie es das im Jahre 2014 ist. Slipknots Rückkehr ins Rampenlicht und auf die großen Bühnen wird nicht umsonst von einem Medienrummel begleitet, der seinesgleichen sucht. Die Welt braucht Slipknot, die Welt muss daran erinnert werden, wie viel Schlechtes in ihr gärt. Und der massive, wütende und vor allem unerschütterliche Tenor des großen Comebacks „.5: The Gray Chapter“ wird diese Aufgabe nur zu gern übernehmen. Dass diese Rückkehr acht Jahre auf sich warten ließ, bereitet dem 40-jährigen Halloween-Fan Corey Taylor keinerlei Kopfzerbrechen. „Wir nahmen uns schon immer so viel Zeit, wie wir für richtig hielten. Nur deshalb gibt es Slipknot auch jetzt noch, und das stärker denn je – sehr zum Missfallen unserer Gegner.“

Slipknot - 5 The Gray Chapter (c) 7 Digital

Slipknot – 5: The Gray Chapter (c) 7 Digital

Die haben sowieso nicht allzu viel zu lachen. Slipknot zieren derzeit so ziemlich jedes Cover der Rock- und Metal-Presse, die angekündigte Stadiontour 2015 verspricht ein kolossaler Triumph zu werden. Und die Masken? Die wurden natürlich abermals ausgetauscht.“ Die Masken sind für diese Band von unschätzbarem Wert“, unterstreicht Taylor, der auch bei Stone Sour hinter dem Mikro steht. „Sie gestatten uns, zu wachsen, uns weiterzuentwickeln.“

Dieser Ansatz wurde, ganz Slipknot-like, im Video zu „The Devil In I“ auf besonders drastische Weise visualisiert: Die Bandmitglieder begehen der Reihe nach Selbstmord, um danach wie der Phönix aus der eigenen Asche gestärkt aufzuerstehen. „Man muss sich von seiner Vergangenheit lösen, ehe sie einen herabzieht. Tut man das nicht, kommt der Punkt, an dem die Vergangenheit zwischen dir und deiner Zukunft steht.“ Slipknot haben das nicht zugelassen. Und sind stärker denn je zurück.

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