Lagwagon (c) Rovi

Lagwagon: Die Stehauf-Punks – Hintergrund

So ganz ohne ihren melodischen Punkrock können Lagwagon irgendwie doch nicht. Mit „Hang“ durchbrechen sie ihr neunjähriges Schweigen und stehen noch immer für typisch sonnenverwöhnte Punk-Kost aus Kalifornien.

Ach, das waren Zeiten! Was in den frühen Neunzigern aus Kalifornien zu uns herüberdröhnte, war eine ganz neue Art von amerikanischem Lebensgefühl. Es war der Soundtrack einer neuen Generation von Punks. Wer sich da an den Instrumenten abrackerte und seine Botschaften in die Welt herausbrüllte, das waren keine englischen Dissidenten und auch keine Dosenbier saufende Meute mit Iros. Es waren coole Typen auf Skateboards, die es auf unnachahmliche Weise verstanden, ihren rohen, rotzigen und lauten Punkrock mit einem nahezu epischen Maß an Melodie auszustatten. Die beißende Kritik mit scharfzüngigem Humor verbanden. Die man vor allem auch mit seinem Schwarm hören konnte.

An vorderster Front standen immer auch Lagwagon. Der durchschlagende Erfolg von kalifornischen Kollegen wie Bad Religion oder Green Day  blieb ihnen Zeit ihres Lebens vielleicht verwehrt. In Sachen Relevanz, Entwicklung und weltweiter Anerkennung der kalifornischen Szene muss der 1990 gegründeten Band allerdings ebenso großer Respekt gezollt werden. Mindestens. Seit 1992 als allererste Band überhaupt beim Kultlabel Fat Wreck Chords (NOFX, Rise Against…) unter Vertrag, definierten Lagwagon schon mit diesem ersten Album namens „Duh„, worum es bei dieser Musik geht. 14 Songs, 31 Minuten, aufgenommen in gerade mal vier Tagen – das war sie, die unverblümte, explosive Energie, mit der sich Kaliforniens Punk-Szene in den Himmel schoss.

Bis heute halten die beiden Gründungsmitglieder die drei Akkorde fest in der Hand.

Dass ihnen viele der alten Kollegen in den nächsten Jahren davonzogen, kümmerte Sänger Joey Cape und Gitarrist Chris Flippin nicht. Sie hatten es nie auf den großen Durchbruch abgezielt, legten Lagwagon immer mal wieder auf Eis. Das Beeindruckende: Sie kehrten immer auf der Höhe der Zeit und mit jeder Menge Feuer im Hintern zurück. Bis heute halten die beiden Gründungsmitglieder die drei Akkorde fest in der Hand, würdigten ihren verstorbenen Drummer Derrick Plourde auf ihrem letzten Album „Resolve“ (2005).

Lagwagon - Duh (c) Rovi

Lagwagon – Duh (c) Rovi

Mit „Hang“ haben sie jetzt mal wieder ein Album am Start. Sie klingen darauf einerseits herrlich nostalgisch und brettern sich durch besten, melodischen Punkrock. Andererseits: Was das achte Studioalbum der Veteranen auszeichnet, ist die Lockerheit und die Gerissenheit, mit der Lagwagon auch mal dem Blues frönen, einen auf breitbeinigen Hard Rock machen oder es zwischendrin fast mal folkig und melancholisch angehen. Da kann man zwischendrin ruhig Gas geben und so tun, als wären die letzten 20 Jahre nicht passiert. Wenn das jemand darf, dann sind es Lagwagon, verdammt! Ehrensache, dass auch „Hang“ wieder bei Fat Wreck Chords erscheint. Hier zählen Punk-Ideale eben noch was.

Weitere Hintergrund-Stories: