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Flying Lotus: Morbide Musik vom Multitalent – artistxite Porträt

Seit einigen Jahren kredenzt Flying Lotus dem Hörer einen Cocktail, der alle feinen Geschmäcker vermengt. Auf seinem neuen Album knöpft sich Mastermind Steven Ellison jetzt das ewigste aller Themen vor.

In der HipHop-Geschichte geht es seit jeher morbide zu, ob im Bone-Thugs-n-Harmony-Überhit „Crossroads“ (gewidmet der Rap-Legende Eazy-E) oder auf einem Label wie Death Row oder im Gesamtwerk von The Notorious B.I.G., der seine beiden einzigen Studioalben nacheinander konsequent „Ready To Die“ und „Life After Death“ taufte, ehe sein Label postum noch die Resterampe-Platte „Born Again“ nachschob.

Flying Lotus - Youre Dead (c) 7 Digital

Flying Lotus – Youre Dead (c) 7 Digital

Wenn Tausendsassa Steven Ellison aus Los Angeles nun unter seinem Künstlernamen Flying Lotus mit „You’re Dead!“ eine Art Konzeptalbum über den Tod vorlegt, ist das auch eine Folge seiner persönlichen Erfahrungen mit dem Thema – in den letzten Jahren starben seine Tante, die Jazzpianistin Alice Coltrane (ihrerseits Witwe des legendären John Coltrane), Ellisons Pianist Austin Peralta (seinerseits ein Jazz-Jahrhunderttalent) und Ellisons Idol J Dilla, außerdem einige Verwandte und Freunde des Künstlers.

Mehr denn je lässt die Musik von Flying Lotus den Hörer mit offenem Mund und einer Gänsehaut zurück.

Ellison weiß also, worüber er seine Songs schreibt, weshalb „You’re Dead!“ auch so beklemmend, so wahr, so großartig daherkommt. Von den ersten Sekunden an, in denen Kendrick Lamar spricht („I can see the darkness in me and it’s quite amazing“), bis zu den letzten verstörenden Klängen, nach denen deutlich wird: Wir zitieren hier zwar die HipHop-Historie, aber Flying Lotus ist immer noch keinem Genre eindeutig zuzuordnen – auch wenn der HipHop hier die Basis bildet wie bei den neueren Werken von Kanye West, auch wenn die Jazz-Verweise nicht mehr so offensichtlich daherkommen wie auf seinen frühen Alben „1983“ und „Los Angeles„.

Flying Lotus - 1983 (c) Rovi

Flying Lotus – 1983 (c) Rovi

Ellison ist experimenteller Multi-Instrumentalist, der seine Geschichte und seine Gedanken mal in Rap, mal in Electro packt. Mit „You’re Dead!“ zeigt sich der 31-jährige nach den Vorgängeralben „Cosmogramma“ (2010) und „Until The Quiet Comes“ (2012) noch ein bisschen gereifter, neugieriger und offener für alle Einflüsse, die nicht bei drei auf dem Baum sind. Ellison schlägt den Bogen von Fernost bis Wildwest, von Manga bis Dante, von Spiritualität bis Snoop Dogg. Auch sein rappendes Alter Ego Captain Murphy, mit dem Ellison vor zwei Jahren für Furore sorgte, hat einen Gastauftritt auf diesem Monolith von einem Album.

Mehr denn je lässt die Musik von Flying Lotus den Hörer mit offenem Mund und einer Gänsehaut zurück. Vielleicht fassen wir Ellisons Werk am besten zusammen mit dem Vermerk, dass er immer noch auf Warp Records veröffentlicht, dem Label, dessen Name steht für: Weird and Radical Projects. Ein weird and radical project – das ist jede Platte, das ist das Gesamtwerk des Steven Ellison.

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