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Weezer: Am Ende wird alles gut – Hintergrund

Das beste Rezept für ein erfolgreiches Leben ist: Sich auf seine Stärken besinnen – weshalb man das neue Weezer-Album auch als Ende eines langen Weges begreifen kann

Es ist immer schwierig, wenn eine Band zuvorderst von einem Mastermind abhängt. Bei Weezer und Rivers Cuomo ist es aber besonders schwierig. Weil Weezer ganz besonders von Cuomo abhängen und Cuomo ein besonders schwieriger Charakter ist. Das Problem, das sich wie ein roter Faden durch die Karriere des Quartetts aus Los Angeles zieht, sind ihre ruhmreichen Anfangsjahre. Genauer gesagt: ihr Debütalbum „Weezer„, das so genannte Blaue Album. Musikalisch traf es im Veröffentlichungsjahr 1994 einen Nerv der Zeit mit seinen weichen Strophen und den metallischen Refrains – ein Indie-Flair, das im Alternative Rock Maßstäbe setzen sollte.

Thematisch arbeitet sich das Blaue Album an der Ausgangsposition ab, wegen welcher der Rock’n’Roll einst erfunden wurde: Frustrierter Teenager versteht die Welt nicht mehr, beziehungsweise besser als alle anderen, weshalb er an der Gesellschaft und ihren Regeln verzweifelt. Kaum einer hat diesen Teenager in den letzten zwei Jahrzehnten besser in Lyrics gepackt als Cuomo, der bei Weezer den Leadsänger, Gitarrist und Hauptsongschreiber in Personalunion gibt. Das nerdige Pubertätsopfer, das an der kalifornischen Hirnlosigkeit fast kaputt geht, das hatten Weezer zumindest in ihrer Radikalität zu Zeiten des Blauen Albums beinahe exklusiv, Jahrhundertsongs wie „Buddy Holly“ und „Only In Dreams“ inklusive. Zu Recht gilt „Weezer“ als eines der wichtigsten Alben der 90er.

Mit der neuen Weezer-Platte „Everything Will Be Alright In The End“ scheint Cuomo seine ewigen Dämonen in den Griff bekommen zu haben.

Aber schon mit dem Nachfolger „Pinkerton“ offenbarte sich die Kehrseite von Cuomos Künstlerseele – der Erfolg veränderte ihn. Plötzlich gab er in Lyrics den Checker, der die Harvard-Mädels oder asiatische Fangirls klarmachte. Den Kritikern gefiel das zwar, den Käufern aber nicht. Konsequenz: „Nur“ 500000 verkaufte Alben gegenüber den mehr als drei Millionen Exemplaren, die das Debüt abwarf. Darüber völlig verwirrt, sollte Cuomo für mehr als anderthalb Jahrzehnte die musikalische Richtung von Weezer immer wieder ändern, was mal in einen schönen Indie-Hit wie „Island In The Sun“ vom Grünen Album (2001) gipfelte, mal aber auch in Kollaborationen mit Steve Aoki oder einem Toni-Braxton-Cover. Weezer waren zwischen Alternative-Roots und geschmacklichen Verwirrungen hin- und hergerissen, weil Cuomo sich nicht recht entscheiden konnte.

Weezer (c) Peter Orth

Weezer © Peter Orth

Weezer - Everything Will Be Right In The End (c) 7Digital

Weezer © 7Digital

Mit der neuen Platte „Everything Will Be Alright In The End“ (und dem alten Produzenten Ric Ocasek, Sänger der Cars und Produzent des Blauen und Grünen Albums) scheint Cuomo seine ewigen Dämonen jetzt aber in den Griff bekommen zu haben. Keine Experimente, keinen Schnickschnack, aber gute Melodien, und es geht zurück in die Garage, und natürlich wird ihm das jetzt von der Musikpresse auch wieder zum Vorwurf gemacht („Wird er nie erwachsen?“). Davon sollte Cuomo sich aber nicht beirren lassen. Denn so zwingend und lässig und lustig klang seine Band tatsächlich seit 20 Jahren nicht mehr: „Ain’t Got Nobody“ ist Gute-Laune-Indierock, „Go Away“ ist brillanter Bubblegum mit Best-Coast-Sängerin Bethany Cosentino, und „Back To The Shack“ ist Weezer für jene Fans, die auch dem Wahnsinn der mittleren Bandjahre etwas abgewinnen können. Das Album ist eine versöhnliche Vollbedienung für alle treuen Fans, die den Weg von Cuomo & Co. immer mit mindestens einem Auge verfolgt haben. Manchmal dauert es im Leben eben ein bisschen länger. Aber vielleicht ist der Albumtitel im Fall der neuen Weezer-Platte wirklich Programm.

Hör doch mal rein!