Arch Enemy Künstlerbild

Wacken 2014: Staub, Bier und Rock’n’Roll – Live Bericht

Es gibt diese eine Szene in „Fear And Loathing In Las Vegas“, in der Johnny Depp sein Bierglas in der Wüste verzweifelt vor Sand schützen will. Am Ende rieselt ihm dennoch nur heiße Wüstenerde entgegen, das Bier war komplett vertrocknet. Eine ganz ähnliche Szene erleben zehntausende Menschen vergangenes Wochenende auf dem Wacken Open Air. Aus Sex, Drugs und Rock’n’Roll wird im hohen Norden diesmal aufgrund der langen Trockenzeit ganz eindeutig Beer, Dust and Rock’n’Roll.

Obwohl auch das mit dem Sex hier und da ganz gewiss nicht von der Hand zu weisen ist. Immerhin sind auch Steel Panther ein Teil jener Phalanx an schwermetallischen Überzeugungstätern, die das Festival auch 2014 zum Großereignis zwischen medialer Überpräsenz und tatsächlichem Musikgenuss machen. Und die machen ja kein Geheimnis aus ihren pornösen Absichten. Im Vorfeld meckerten viele zwar emsig über angeblich fehlende Headliner unter den weit über 100 Bands, nur zwölf Stunden nach dem offiziellen Vorverkaufsstart ist das nächste Wacken dann aber doch schon wieder ausverkauft. Ja, Metaller machen das so. Man mosert zwar ein wenig, regt sich darüber auf, dass die Veranstalter für Mambo Kurt und einen Helge-Schneider-Gastauftritt Geld auf den Tisch legen, anstatt die 37. Thrash-Metal-Combo zu buchen. Aber dann kommen sie doch alle ganz artig wieder.

In Wacken trifft das Martialische, Morbide und Unheilschwangere auf den Ulk, den Klamauk, die Tendenz zum albernen Exzess.

75.000 sollen es dieses Jahr gewesen sein. Soweit zumindest die offiziellen Zahlen. Vielleicht sind es ja auch 80.000, außerdem zigtausende Medienvertreter und eine ganze Armada an Bands und ihrer Entourage. Und Comedian Bembers, der hinter der Bühne gern mit seinem ganz privaten 5-Liter-Fässchen gesichtet wird. Einigen wir uns darauf, dass es auch dieses Jahr wieder brechend voll war. Als ich am Samstag um 13 Uhr vor der Hauptbühne aus dem Shuttle stürme, ist beispielsweise das gesamte Infield so gestopft voll, wie man das sonst nur bei den ganz großen Headlinern kennt. Rammstein letztes Jahr zum Beispiel. Diesmal waren es aber „nur“ Arch Enemy, die aber ihre, sagen wir mal auffällig hübsche, neue Sängerin Alissa White-Gluz präsentiert haben. Optik ist eben nicht ganz unwichtig.

Das wissen natürlich auch die Besucher dieses größten Metal-Festivals der Welt, dieses Mekka der Kuttenträger. Auf dem Zeltplatz wird sich alles Erdenkliche einfallen gelassen, um aufzufallen. Leichenwägen, ganze Wohnzimmer, Vorgärten oder Särge bleiben da fast blass. Eher schon Tierschädelsammlungen, völlig abgefahrene Verkleidungen oder ein Pool. Ja, in Wacken trifft das Martialische, Morbide und Unheilschwangere auf den Ulk, den Klamauk, die Tendenz zum albernen Exzess.

Lest hier den zweiten Teil: Wacken 2014: Staub, Bier und Rock’n’Roll – Live Bericht