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Blues Pills – artistxite Newcomer

In aller Munde – die schwedische Bluesrock-Band Blues Pills

Es muss sich merkwürdig anfühlen, Mitglied bei den Blues Pills zu sein. Man ist Anfang 20, hat außer Schule und ein paar Nebenjobs bisher eigentlich kaum was gemacht – und wird doch plötzlich von aller Welt das das Riesending im Blues Rock gesehen, als legitimer Jefferson-Airplane-Nachfolger, als größte Sensation seit Erfindung der Schlaghose.

Merkwürdig hin oder her: Genau so ergeht es dem amerikanisch/französisch/schwedischen Hippie-Haufen dieser Tage. Mit „Blues Pills“ veröffentlicht der gerade sein allererstes Album, hat es in den vergangenen drei Jahren seit der Bandgründung aber schon weiter gebracht als die meisten Bands in ihrer gesamten Karriere: Ein Deal beim Branchenriesen Nuclear Blast, Titelstorys in Magazinen, Slots auf diversen großen Festivals, ein Auftritt beim WDR-Rockpalast, eine Tournee nach der anderen.

Wie das alles funktioniert hat, ist selbst der Band nicht so ganz klar. „Wie oft kann man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein?“, fragt sich beispielsweise Bassist Zack Anderson. Und das nicht ganz ungerechtfertigt. Sicher, auf bislang zwei EPs wie auch auf dem ersten Studioalbum spielen die Blues Pills sich und ihr Auditorium in einen Rausch, der auch in den ausgehenden Sechzigern kaum schöner gewesen sein kann: Warm, hypnotisch, verspielt, erdig und organisch interpretieren die Newcomer den Blues, spielen nicht nur die Mucke vergangener Jahrzehnte nach, sondern leben sie, verstehen sie, hauchen ihr neues Leben ein. „Wir versuchen nicht, die Bands aus den Sechzigern und Siebzigern blind zu kopieren“, meldet sich Zack wieder zu Wort. „Wir wollen diese Musik in der heutigen Zeit zum Leben erwecken. Wir wollen etwas Eigenes erschaffen.“ Das machen derzeit wenige Truppen so überzeugend wie sie. Graveyard vielleicht. Oder Kadavar.

„Es geht darum, die Magie des Blues zu teilen. Mit allem, was dazugehört.“

Aber reicht das? Reicht es allein, gut zu sein, um eine derartige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen wie es dieses junge Gespann tut? Keineswegs. Vielmehr trägt auch der Werdegang der Band viel zu diesem Nimbus bei – die zufällige Urlaubsbekanntschaft zwischen Zack, seinem Bruder Cody und der jungen schwedischen Sängerin Elin Larsson, das unbegreifliche Talent des damals 16-jährigen Gitarristen Sorriaux, die Chemie, die sofort zwischen diesen drei Nationalitäten entstand. Wenn das nicht der Stoff ist, aus dem Rockmärchen sind. Und tatsächlich: Mittlerweile lebt die komplette Band in Schweden, ist recht begeistert von Elins schöner Heimat und erobert von dort mit raschen Schritten die Welt.

Inwiefern der Frauenfaktor bei dieser Unternehmung hilfreich ist, ist schwer zu sagen. Fest steht aber: Es gab in diesem Teil der Rock-Welt lange keine junge Frau hinter einem Mikrofon, die einerseits bildhübsch, andererseits eine so coole Socke ist, dass man sofort mit ihr ein Bier trinken gehen würde. Warum? Lest selbst: „Mir geht es darum, im Hier und Jetzt zu leben und wahre Magie zu erleben. Mir ist es völlig gleich, wie jemand aussieht, was jemand trägt oder aus welchem Background er kommt. Es geht darum, die Magie des Blues zu teilen. Mit allem, was dazugehört. Eine sehr romantische Vorstellung, ich weiß. Aber ich bin gern eine Romantikerin.“ Ach, dass sie ein Wahnsinnsorgan hat, das einfach alles wegfegt, werfe ich hiermit auch noch eben in den Raum. Soulig. Laut, wenn es laut sein muss. Sanft, wenn es sanft sein muss. Jefferson Airplane 2.0? Damit kann ich gut leben. Obwohl man nicht den Fehler machen darf, diese Band schon jetzt in eine definite Schublade zu stecken. Dafür sind sie einerseits zu talentiert, andererseits zu jung. Und das macht ja gerade ihren Reiz aus.

Das neue, selbstbetitelte Debüt „Blues Pills“ ist ab sofort bei uns erhältlich.

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