Lana Del Rey – artistxite Porträt
Wenn Lana Del Rey ein neues Album herausbringt, steht erstmal nicht die Tatsache im Vordergrund, dass neue Musik von ihr auf den Markt kommt. Es ist mehr. Ihre Musik allein würde dank mangelnden Pop-Appeals mit großer Wahrscheinlichkeit wenig Beachtung finden. Doch Lana Del Rey hat einen Weg gefunden, dass sich dennoch viele Menschen mit ihrer Kunst auseinandersetzen. Sie machte sich selbst zur Kunstfigur. Und mit jedem neuen Album schreibt sie diese Geschichte weiter, arbeitet weiter an der großen Inszenierung der Lana Del Rey. Vom exotisch anmutenden Künstlernamen bis zur optischen Darstellung zwischen HipHop, Glamour und Retro ist alles perfekt durchgeplant. Die märchenhafte Geschichte, wie aus einer talentierten und dennoch stagnierenden jungen Musikerin über Nacht ein weltweit bekannter Superstar wurde, liegt in der Transfomation von Elizabeth Woolridge Grant zu Lana Del Rey begründet.
Ihr Image als “Gangsta Nancy Sinatra” und “Lolita lost in the hood” diktierte sie den Journalisten und Bloggern quasi direkt in den Notizblock, die bereitwillig halfen, dieses unkonventionelle Image mitzukonstruieren. Faszinierend und provokant gleichermaßen bot sie exakt den Stoff, nachdem die Unterhaltungsbranche sich sehnt. Und so gierig sich die Medien auf sie stürzten und sie im Schnelldurchgang weltberühmt machten, so bereitwillig wurde auch jeder Fehler in der ansonsten perfekten Choreographie mit Häme bedacht. Ihr Auftritt in der US-TV-Show “Saturday Night Live”, bei dem sich das hoch gehandelte Sternchen ein paar gesangliche Schwächen leistete, wurde zum Stein des Anstoßes. Nebst einer Parodie in der nächsten Ausgabe der Show wurden weltweit die Unkenrufe laut. Kritiker, die nur auf einen Fehler im Gesamtbild gewartet hatten, starteten schon den großen Marsch mit Fackeln und Mistgabeln. Doch Del Rey reagierte mit Humor und ließ sie damit auf halber Strecke verhungern. Ausser dem kleinen Hinweis, es sei zweifelsfrei klar, dass sie gesangliches Talent habe, entschloss sie sich, die Sache auszusitzen.
Und warum auch einen Krieg beginnen, den man nicht gewinnen kann? Gegen die Armee, die man selbst für den nächsten Feldzug braucht? Eine Konfrontation wäre vielleicht ihr Ende gewesen, das wird sie erkannt haben. So hat es der Kunstfigur Lana Del Rey im Endeffekt wenig geschadet, die mediale Aufmerksamkeit aber noch mal merklich gesteigert. Ihr Album “Born To Die” mit den Hits “Video Games” und “Summertime Sadness” verkaufte sich wie geschnitten Brot. Cineastisch-getragene, Moll-dominierte Musik gepaart mit schleppendem Gesang – ein Geniestreich, mit dieser Art von Musik in ganzen elf Ländern die oberste Chartposition zu erklimmen. Zahlreiche Auszeichnungen wie der ECHO, der Q Award, MTV und BRIT Award folgten. Auch zum Soundtrack des Films “The Great Gatsby” leistete die 27-Jährige ihren Beitrag und landete mit “Young And Beautiful” ihre bis dato beste Chartplatzierung. Das feierliche Finale ihrer Choreographie war der Kurzfilm “Tropico”, der Anfang Dezember letzten Jahres in die Kinos kam. Del Rey selbst gab zu Protokoll, einen optischen Abschluss dieses Kapitels ihrer Karriere schaffen zu wollen. Zeit für eine neue Geschichte.
Keine Provokation, keine Skandale. Lana Del Rey wählt dieses mal den seriösen Weg.
Das nächste Kapital steht nun unter dem Titel “Ultraviolence”, dem neuen Album, das heute auf den Markt kommt. Verglichen mit dem Bohei um den Vorgänger ist der Wirbel diese Mal gerade zu kümmerlich. Keine Provokation, keine Skandale. Lana Del Rey geht den seriösen Weg. Ein Foto mit Dan Auerbach, Sänger der Black Keys, diente schließlich dazu, die Sache auf den Weg zu bringen: “Me and Dan Auerbach are exited to present you Ultraviolence”. Seht her, ich habe einen der zur Zeit spannendtsen Produzenten und coolsten Säue der Rockmusik im Boot! Als dann auch noch Rufus Wainwright verkündet, mit Lana Del Rey zu arbeiten, nimmt die Sache endgültig Gestalt an. Der Fokus liegt nicht mehr auf Sensation und Provokation, sondern auf seriöser, hochqualitativer Musik. Lana Del Rey muss niemanden mehr schocken, um bemerkt zu werden.
Musikalisch ist “Ultraviolence” die Fortführung von “Born To Die“, nur mit noch etwas mehr Mut zur Langsamkeit. Auf potentielle Hits verzichtet Lana Del Rey komplett. Konsequent mistet sie alles aus, was vorher noch die Brücke zum Mainstream-Pop schlug. Stattdessen setzt auf einen sehr getragenen, düsteren Sound, mit dem man jeden Bond-Film unterlegen könnte. Auch die Streicher spielen nicht mehr so eine große Rolle, werden durch den verstärkten Einsatz von Gitarren ersetzt. Das ist mutig und gelungen. “Ultraviolence” wirkt wie aus einem Guss, erzeugt mit verhalltem Gsang und schleppender Percussion eine ungeheuer fesselnde Stimmung. Die neue, dezente Lana Del Rey spiegelt sich auch in ihrer Musik wieder. Keine Frage: Die Kunst der Inszenierung beherrscht sie in Perfektion.
Weitere Empfehlungen:
Lana Del Rey – Künstlerseite auf artistxite

Pingback: Blonde Redhead - Portrait | artistxite Blog