Schoolboy_Q

Schoolboy Q mit Oxymoron – Lieblingsalbum

Der Typ ist einfach aufregend. Genau wie 50 Cent damals, als er mit Hilfe von Eminem und Dr. Dre und seinem Debütalbum „Get Rich Or Die Tryin‘“ zum Multimillionär und Rap-Superstar wurde. Mit seiner hochexplosiven Mischung aus Gangster-Gewitztheit und latenter Stumpfheit. Schoolboy Q schlägt jetzt, gut zehn Jahre später, in die gleiche Kerbe.

Schoolboy Q ist also genau das, was der amerikanische HipHop in diesen Tagen braucht, in denen er so lahm und überraschungsarm vor sich hin vegetiert. Ohne Kanye Wests Größenwahn und Kendrick Lamars Übertalent wäre da nicht viel los. Während in Deutschland die Stilvielfalt zurzeit von Casper über Marteria bis Haftbefehl schier unerschöpflich scheint, haut im Mutterland der Kultur nur noch selten ein Rapper so richtig einen raus. „Oxymoron“ als Meisterwerk zu bezeichnen, wäre gleichwohl auch übertrieben, das Zeug zum Klassiker seiner Ära hat es aber allemal. Ähnlich seinem Cliquen-Kumpel Kendrick berichtet Schoolboy Q reflektiert und schonungslos über Los Angeles, mit einem entscheidenden Trumpf:

Seine Ich-Perspektive sorgt für die intensiveren Momente.

Wie weiland Biggie Smalls, der wie kein Zweiter aus einem Rap-Song einen Kinofilm machen konnte, nimmt auch Schoolboy Q uns mit auf die Straße und erzählt uns seine Geschichten – mal wie ein bekiffter Bruder, mal wie ein wütender Onkel, mal stockend wie Fiddy, mal in Maschinengewehrgeschwindigkeit wie Eminem. Dazu grummeln Beats, die in der Schmiede von Wu-Tang oder Mobb Deep in der glorreichen Mitte der Neunziger gebaut sein könnten – womit Q ganz nebenbei noch die West- und die Ostküste einander näherbringt. Hochtalentierte Gäste wie Tyler, The Creator oder 2 Chainz sind logisches Beiwerk, hätte es aber eigentlich gar nicht gebraucht.

Schoolboy Q macht sehr viel richtig, und eine Marketingmaschine, die alles plattwalzt, wie sie 50 Cent damals hinter sich wusste, braucht er gar nicht. Er spricht sich gerade nur aufgrund seiner offensichtlichen Qualitäten am Mikrofon herum. Und ein bisschen vielleicht wegen seiner authentisch-arschcoolen Attitüde. Der Typ ist halt einfach aufregend.

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