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We Are Scientists – Porträt

Das internationale Musikbusiness wird gern als großer Zirkus betitelt. Wenn man das wirklich so sehen möchte, dann haben We Are Scientists die Rolle der Clowns auf jeden Fall sicher. Bei den New Yorkern kann man sich nie ganz sicher sein. Das gilt nicht nur für ihre Musik, die auch auf ihrem aktuellen, fünften Album „TV En Francais“ noch eine flotte Mischung aus Indie, Rock und Pop darstellt. Das gilt vor allem, wenn man versucht, mit Hilfe der Band ihre Geschichte nachzuvollziehen: Zu viele Gags werden erzählt, zu viele falsche Fährten gelegt. Schwierig, aus der ganzen Albernheit die Fakten zu tauchen.

Als gesichert muss die Erkenntnis gelten, dass sich Bassist Chris Cain und Gitarrist Keith Murray zum ersten Mal auf dem Campus des kalifornischen Pomona-Colleges begegnen, als Murray in Cains Studentenbude eine Folge der amerikanischen Teenager-Serie „Dawson’s Creek“ gucken will.

Auch die Geschichte ihrer Namensfindung birgt ein ähnlich kauziges Potenzial: Im Sommer 2001 will die Band aus dem Sunshine State nach New York ziehen, der Stadt, die seitdem den Hauptstandort aller Bandaktivitäten darstellt. Als sie ihren Hausstand in den Transporter laden, fragt der Fahrer des Umzugswagens skeptisch: „Are you scientists?“

Diese Frage fortan unwahrheitsgemäß sogar im Bandnamen zu beantworten, ist bezeichnend für den Humor der Band, die auch auf der Bühne dem Schabernack nicht abgeneigt ist:

Gleich bei ihrem ersten Konzert provozieren We Are Scientists das raubeinige Publikum eines Heavy-Metal-Clubs mit einer Ballade.

Weniger abenteuerlustig zeigt sich die Band bei der Labelwahl, stattdessen unterschreibt sie kurz nach Veröffentlichung eines Demotapes im Jahr 2005 einen Vertrag bei der großen Plattenfirma Virgin.

Und alles, was seitdem passiert, ist längst Indierockgeschichte. Schon auf dem Debütalbum „With Love And Squalor“ amüsieren die Jungs mit mehrdeutigen Texten und einigen Hits wie „Nobody Move, Nobody Get Hurt“.

Schon diese ersten Aufnahmen belegen die augenzwinkernde Lässigkeit der Wahl-New-Yorker, die sie sich bis heute grundsätzlich erhalten haben, auch wenn es auf „TV En Francais“ musikalisch doch deutlich ruhiger zugeht als noch vor einem Jahrzehnt. Wo früher auch mal ausgelassen abgespackt wurde, wird heute eher mitgewippt und mit dem Kopf zustimmend genickt. Am ehesten erinnern „Dumb Luck“ und „What You Do Best“ an die wilden Jahre. Musikalisch geht es dafür aber auch weitaus versierter zu als damals, was auch an Drummer Andy Burrows und Produzent Chris Coady (Yeah Yeah Yeahs, TV On The Radio), ihres Zeichens zwei Hochtalentierte, liegt.

Grundsätzlich zwingt „TV En Francais“ aber zu der mehr oder weniger ernüchternden Feststellung, dass sogar die seit jeher beinahe berufsjugendlich daherkommenden We Are Scientists älter werden. Aber das gilt ja auch für ihre Fans. Und denen muss es schließlich gefallen. So wie die Fans der Band gefallen: „Sie sind schlaue kritische Geister mit exzellentem Geschmack und geilen Körpern.“ Das Alter verscheucht den Schalk eben noch lange nicht aus dem Nacken.

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